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12.01.2021

eine kleine Geschichte: Gigi

Eine kleine Geschichte von Gigi, die neue Perspektiven sucht

Gigi, die so heisst, weil ihr chinesischer Name so ähnlich klingt, ist eine Ende-30-Jährige, die bei einer Werbeagentur arbeitet. Sie hat dafür ihre Heimatstadt und Eltern vor ein paar Jahren verlassen und ist aus der Provinz Sichuan nach Shanghai gegangen. Gigi ist aufgeschlossen, abenteuerlustig, fröhlich, arbeitet hart, steht auf ihren eigenen Füssen im eigenen Leben, aber ist irgendwie auch sehr chinesisch-naiv. Denn, über vieles macht sich der gemeine Chinese oder Chinesin eben keine Gedanken, weil es von anderen geregelt wird.

Beispiel 1: Gigi ist auf Trecking Tour gegangen. Klar, wird da recherchiert und gesucht, aber eher nach einem Anbieter von Allinclusive-Touren. Klar, wird dann eingekauft und gepackt, aber nur das, was auf der Checkliste steht. "Hihi", Gigi kichert, "meine Jacke war viel zu warm zum Wandern, dabei hatte ich sie extra dafür gekauft." Klar wusste sie, dass es in hohe Höhen geht, aber, ihr Gesichtsausdruck wird ernster,  "ich habe nicht gewusst, dass man dort nicht richtig atmen kann", erzählt sie. 

Für eine Nachtwanderung hatte sie ihre Taschenlampe vergessen und ist deshalb tagsüber allein zurück zum Camp. "Das hätte mir der Tourenführer nicht erlauben dürfen, als ich ihn gefragt habe", findet sie, denn sie hat sich verlaufen und einen richtigen Panikanfall gehabt. Zum Glück ist alles gut gegangen. "Ich dachte, der Weg zurück ist ganz einfach, denn ich konnte ihn vom Berg aus ja sehen, aber als ich unten war, fehlte mir die Perspektive von oben", erzählt sie. Was für eine herrliche Analogie zwischen westlicher und chinesischer Sicht, denn wie oft frage ich nach dem "grossen Bild", das ich nicht sehe, wenn wir über Strategien diskutieren.

Beispiel 2:

Gigi ist mit einer neuen Berufs-Idee beschäftigt, die gerade reift. Sie hat sich mit einer Freundin überlegt, ein Hotel in Yunan zu eröffnen, in einer Gegend, in der man Vögel beobachten kann. Irgendwo hat sie gelesen, dass dies ein neuer Trend werden könnte. "Und Vögel sind doch wirklich interessant..." Es ist mehr eine Frage auf der Suche nach Bestätigung und definitiv keine eigene Erfahrung. Ob sie oder ihre Freundin denn Erfahrung im Hotel-Business haben, will ich wissen. "Nein", gibt Gigi fröhlich und frei zu, aber schliesslich hat sie ja selbst schon in vielen Hotel übernachtet und so schwer kann das ja nicht sein.

Ihren Vertrag bei der Agentur will sie nun kündigen, er war für 3 Jahre befristet und würde eh bald enden. Dann könne sie hoffentlich bald nach Yunan reisen, um sich auf Suche zu machen, ob Grundstück oder Haus wisse sie aber noch nicht. Ich schlage ihr vor, dass ich mir gern mal ihr Business-Konzept zeigen könnte, schliesslich habe ich ja auch in vielen Hotels übernachtet, bestimmt mehr als sie und bin dadurch viel mehr Expertin als sie. "Das ist eine gute Idee", findet sie, "aber ein Business-Konzept haben wir noch nicht" gibt sie zu. Weiss sie denn wieviel sie investieren kann, wie viele Übernachtungen sie braucht, um Geld zu verdienen? Muss sie von den Einnahmen leben können? "Oh", Gigi staunt "das sind echt gute Fragen, über die wir uns noch gar keine Gedanken gemacht haben." Natürlich muss sie davon leben können, und eigentlich will sie mit der Idee sogar richtig reich werden. Jetzt staune ich: wie alt war Gigi nochmal? 37. Ich habe das Gefühl, ich spreche gerade mit einer 20jährigen. Aber, Gigi ist von unserem Gespräch begeistert, denn es gab soviel gute Fragen und ein erster Zeitplan steht fest: innerhalb der nächsten 2 Wochen wird sie an einem Businessplan mit Finanzen arbeiten, denn, sie kichert wieder: "Du hast total recht: man muss sich um Geld und Investitionen kümmern, wenn man ein eigenes Geschäft führen will. Das ich darauf nicht selbst gekommen bin."

Beispiel 3: Ist die Frage, wie Gigi ohne Freund oder Mann an ein Kind kommen will. Aber das ist mal eine andere kleine Geschichte.


03.11.2020

eine kleine Geschichte: Hilfspolizist

Eine kleine Geschichte von Herrn Huang, dem Hilfspolizisten

Herr Huang ist kein echter Polizist, aber von der Polizei angestellt. Sein Arbeitsplatz ist ein Überwachungsbus. Seine Aufgabe: Auffälligkeiten melden, die er auf den Monitoren entdeckt.
Foto: 
Es ist kein schwieriger Job und Herr Huang ist sehr froh über diese Arbeit, denn er kann sitzen, was für seine inzwischen müden Beine gut ist. Herr Huang ist bereits über 70, hat nie eine Ausbildung gemacht, aber war bei der Stadtregierung in vielen verschiedenen Bereichen beschäftigt.
Darauf ist Herr Huang sehr stolz. "Ich wurde immer geschätzt, weil ich sehr hart und zuverlässig gearbeitet habe. Eigentlich habe ich bereits das Rentenalter erreicht, aber als ich gefragt wurde, ob ich diesen Überwachungsjob machen kann, habe ich natürlich ja gesagt."

Es ist ihm Pflicht und Ehre zugleich, das merkt man Herrn Huang sofort an. Ob es nicht anstrengend ist, den ganzen Tag auf Bildschirme zu gucken, will ich von ihm wissen. "Nein, überhaupt nicht", kommt wie aus der Pistole geschossen zurück und ich überlege, wo wohl neben den Kameras die Mikrophone hängen. Aber Herr Huang meint es so: er hat den ganzen Tag ein Dach über dem Kopf, der Wagen ist klimatisiert, er kann sitzen und, sollte ihm doch mal etwas entgehen, haben die Kameras ja alles aufgezeichnet.

Einen Blick hineinwerfen darf ich aber nicht. "Es ist nicht aufgeräumt", entschuldigt sich Herr Huang verlegen. Als sich die Tür später kurz öffnet, lässt sich vermuten, dass es ein normales, aber mobiles Büro mit Bildschirmen ist und dass Herr Huang inzwischen aufgeräumt hat.
Foto: geöffnet


27.10.2020

eine kleine Geschichte: Schönschreiber

Eine kleine Geschichte von Herrn Wen, dem Wasser-Gedichtsschreiber 

Wenn es nicht regnet kommt Herr Wen am Wochenende früh morgens in den Park zum Schreiben, bewaffnet mit seinem Kalligraphie-Pinsel, einem Topf Wasser und seinem Gedichtsheft.
Heute ist er damit ein Exot und nur Herr Wu, ein älterer Shanghainese als Herr Wen, frönt ab und zu dem gleichen Hobby im selben Park.
Foto: Wasserschönschreiber
"Wasserkalligraphie war ein beliebtes Hobby in China", erzählt Herr Wen. In vielen Parks konnte man Künstler und Schreiber beobachten, wie sie ihre schnell vergängliche Kunst auf Steinplatten und Fußwege malten. Eine Möglichkeit, sich zumindest für kurze Zeit, Ausdruck zu verschaffen, denn natürlich ist Graffiti oder sonstige Straßenkunst in China verboten. Herr Wen grinst "bei Sprüchen und Schriftzeichen aus Wasser kann niemand etwas sagen, denn sie verschwinden gleich wieder und verursachen keinen Schaden".

Man nennt die Kunst dishu (地 书 Erde + Schrift). Für Herrn Wen ist sie nur ein Hobby und er geniesst es, das Schreiben mit dem Pinsel weiter zu perfektionieren. "Für mich", sagt er "ist es auch eine Art der Meditation. Ich schalte komplett ab und höre nicht mal die Musik".
Rechts und links neben uns scheppert Musik aus alten Lautsprechern, denn auch die Tanzgruppen sind schon früh morgens im Park. "Außerdem freue ich mich, wenn Leute stehen bleiben und sich an meinen Zeilen erfreuen" sagt er.

Herr Wen sucht sich Gedichte und Sprichwörter für seine Straßenkunst aus, die dem Vorübergehenden Glück und Wohlergehen wünschen. Heute morgen halten nur wenige inne, um Herrn Wen beim Schreiben zuzuschauen und seine ersten Striche werden bereits von tanzenden Füßen verwischt. Aber das stört Herrn Wen nicht, denn schließlich hat er heute morgen schon eine laowai mit seinem Hobby erfreuen können.

Kleingedrucktes zu meinen kleinen Geschichten: Personen, Namen, Handlungen und Zitate sind fast frei erfunden und nur ein neues Format meiner Bildkommentierungen, Beobachtungen, Gespräche und Recherchen.

Foto: Wasserkalligraphie-Kollege Wu


06.10.2020

eine kleine Geschichte: Bauchtänzerin

Eine kleine Geschichte von Xu Lin, der Bauchtänzerin

Xu Lin kontrolliert prüfend den Sitz ihres auf Taobao neu erstandenen roten Kleides. Sie steht im Spiegel-Gymnastikraum des Unternehmens, ein echter Vorteil der stattlichen Großunternehmen, die sogar eigene Sportmöglichkeiten anbieten.
Xu Lin kann gar nicht mehr genau sagen, wann genau sie ihre Freude am orientalischen Bauchtanz entdeckt hat. Es war auf jeden Fall nach ihrer Scheidung von einem "military man". 
Foto: Tanz in roten Kleid
Das Kapital ist für Xu Lin ein dunkles, auch wenn sie weiss, dass es ihr viel ermöglicht hat, nämlich ihr Leben in Shanghai, die sichere Arbeit bei einem grossen Staatsunternehmen, einen inzwischen 10jährigen Sohn, ihr heutiges Selbstbewusstsein.
"Ich musste nach meiner Scheidung irgendetwas Neues anfangen, was mich ablenkt", erzählt sie und gibt auch unumwunden zu "und was mich fit hält, damit ich weiter attraktiv für Männer bleibe". In einem leiseren Ton fügt sie hinzu: "Als geschiedene Frau in China ist es schwer. Meine Eltern waren sehr enttäuscht von mir."
Xu Lin kommt vom Dorf und ihre Eltern waren sehr stolz auf ihre Tochter, dass sie einen Mann in der Stadt gefunden hatte. "Ich war so naiv", sagt Xu Lin und seufzt "und habe mich sogar von meiner Mutter überreden lassen, dass ein Kind die Eheprobleme lösen könnte." Aber sie konnte es nicht aushalten mit ihrem Mann und dessen Eltern und hat schließlich die Scheidung eingereicht.

"Ich wusste", sagt sie, "dass dies ein Makel sein wird, denn kaum jemand will eine geschiedene Frau nochmal heiraten. Aber ich konnte es nicht mehr aushalten. Ich wollte meine Ausbildung weiter machen, um auf eigenen Beinen stehen zu können, aber das hat mir mein Mann nicht erlaubt..." sie stockt in der Erzählung. Für das Sorgerecht um ihren Sohn hat sie fast 2 Jahre gekämpft, aber eigentlich war ihr klar, dass sie nicht gewinnen kann.

Zu der Zeit irgendwann hat sie mit dem Tanzen begonnen. "Ich wollte etwas Besonderes machen, etwas, was mich ablenkt von den Sorgen und was nicht jede macht. Da habe ich im Fitness Studio eine andere Frau kennengelernt, die Bauchtanz trainierte."
Der Bauchtanz hat ihr neue Welten eröffnet, auch wenn ihre Mutter am Anfang sehr ärgerlich war: zu aufreizende Kleidung, zu provokante Bewegungen. Aber Xu Lin hat sie überzeugen können, dass es ein Sport ist. Sie hat in Indien in ihrem Urlaub Tanzkurse belegt und wurde in ihrem Unternehmen später nominiert, selbst Tanzkurse zu geben. Letzteres hat auch die Mutter überzeugt.

Inzwischen ist Xu Lin Mitte Dreißig - ein Alter, über das sie nicht mehr gern spricht, denn es bedeutet als Frau in China "alt sein". Sie tanzt nicht mehr sehr oft, denn die Energie nach der Arbeit ist eindeutig gesunken, außerdem hat sie Knieprobleme und überhaupt immer mehr Wehwehchen in letzter Zeit. Aber sie will sich nicht gehen lassen, deshalb nimmt sie heute mal wieder Videoaufnahmen vom Tanzen machen, um dann 15s davon auf Tiktok hochzuladen. Nicht um einen Mann zu finden, sondern weil es ihr Spass macht.

Kleingedrucktes zu meinen kleinen Geschichten: Personen, Namen, Handlungen und Zitate sind fast frei erfunden und nur ein neues Format meiner Bildkommentierungen, Beobachtungen, Gespräche und Recherchen.

29.09.2020

eine kleine Geschichte: Polymerwissenschaftler

Eine kleine Geschichte von Zhang Pan, dem Kunststoffforscher aus einem FAZ Bericht

Zhang Pan blickt auf seinen Labortisch voller Kunststoffteile. Zhang Pan ist 24,  Polymerwissenschaftler und wollte sich auf Kunststoffe für den Automobilbau spezialisieren. Kunststoff, das sind Tausende winziger aneinander liegender Moleküle, die Autos stabil und dennoch so leicht machen, dass ein sauberer, aber schwacher Elektromotor diese eintausend Kilometer fortzubewegen vermag, ohne nachzuladen.
Moleküle lassen sich allerdings auch wieder voneinander trennen. Es braucht nur einen Laser, der die Verbindung zerschneidet. So kommt es Zhang dieser Tage vor, denn gerade zerfällt die Welt auch für ihn: in der einen haben Chinesen keinen Zutritt, in der anderen hat China das Sagen.

In Zhangs Lebensplan war das so nicht vorgesehen. Nach der Sichuan-Universität, in der er gerade sein Studium beendet hat, wollte er sich an einer der amerikanischen Hochschulen promovieren, die ihm ein Stipendium angeboten haben. In den Vereinigten Staaten lehren die besten Kunststoffwissenschaftler der Welt. Doch im Frühjahr hat Zhang den Namen seiner Hochschule aus Sichuan in der sogenannten „Entity List“ wiedergefunden, die das Washingtoner Handelsministerium erstellt hat. Die schwarze Liste untersagt die Zusammenarbeit mit 158 chinesischen Universitäten, Unternehmen und Privatpersonen. Warum die Sichuan-Universität dazu zählt, ist unklar. Vielleicht hat es mit Atomwaffen zu tun, die Chinas Militär angeblich in Uni-Nähe entwickelt.

Auch der chinesische Technologiekonzern Huawei steht auf Amerikas schwarzer Liste. Auf dem Firmencampus in Shenzhen arbeitet Zhang Pan jetzt. Den Plan mit dem Doktorandenstipendium in Amerika hat er auf Eis gelegt, er hat die überaus berechtigte Sorge, kein Visum zu erhalten.

Stattdessen entwirft er nun für Huawei „wearable devices“. Fitnessarmbänder etwa, von denen nicht klar ist, wo sie später einmal verkauft werden dürfen. Überall auf der Welt? Oder nur im chinesischen Einflussbereich?

Während seines Studiums in China hat sich Zhang Pan für Huawei eigentlich nie groß interessiert. Doch seitdem Amerika begonnen hat, das Unternehmen mit Sanktionen kaputtzuschießen, spürt er eine patriotische Pflicht. Der Konzern investiere viel in die Entwicklung, ohne das Technologieunternehmen werde Chinas Forschungslandschaft zerstört. Ein Freund hat ihn zu der Stelle gedrängt, es ist nicht das, was sich Zhang vorgestellt hat. Doch das Gehalt ist gut. Er würde immer noch lieber forschen, vielleicht bei der Max-Planck-Gesellschaft in Deutschland. „Oder an einer guten Universität in China.“

Definiert man den China freundlich gesinnten Teil auf der Welt anhand der Länder, die laut Pekinger Angaben bei Chinas Außenpolitikinitiative „Gürtel und Straße“ mitmachen wollen, zählen Stand heute 138 Staaten dazu. Färbt man sie auf der Weltkarte ein, ballen sie sich vor allem im Osten und Süden der Erde.

Ist das schon die geteilte Welt? Schon lange bevor Washington den chinesischen Apps Tiktok und WeChat den Bann angedroht hat, hatten viele Chinesen zwei Telefone: Auf dem iPhone waren westliche Programme wie Facebook und Whatsapp installiert, die in China gesperrt sind. Auf dem Zweitgerät von Huawei zeigt der Startbildschirm Baidu Research anstelle von Google Scholar, Weibo statt Twitter, Didi statt Uber. Die Restaurantbewertungsapp Yelp mit 180 Millionen Nutzern spielt in China keine Rolle, wo 450 Millionen Menschen die Gourmetkritiken auf Dianping lesen, auf dem man auch Essen bestellen kann.

Ein Gegenstück zur Bezahlapp Alipay gibt es auf den westlichen Smartphones nicht, weshalb das Unternehmen mit über 200 Milliarden Dollar bewertet werden könnte, wenn es bald an die Börse geht – in Shanghai und Hongkong, nicht in New York.

Eine glatte Scheidung der Supermächte ist eigentlich undenkbar. Es ist ja nicht einmal klar, ob das Schlagwort vom neuen „kalten Krieg“ zutrifft auf den Konflikt der Gegenwart. Schließlich war die Sowjetunion vor vierzig Jahren nicht Amerikas größter Handelspartner und nicht sein zweitgrößter Gläubiger. Die schnurlosen Telefone, in die der Außerirdische Alf in den 80er Jahren im Fernsehen seine Witze machte, wurden nicht im Kaukasus zusammengeschraubt, so wie Apples iPhones in den Fabriken in Chinas südlicher Provinz Guangdong. Die hat eine größere Wirtschaftskraft als Spanien und ein paar der aufregendsten Technologiefirmen der Welt hervorgebracht.

Vor der Ikone amerikanischer Popkultur, dem Disneyland in Shanghai, stehen Chinesen in langen Schlangen, um hinter dem Zaun die weißhäutige Cinderella zu besuchen. Ein paar hundert Meter weiter steht das Verwaltungsgebäude der Shendi-Gruppe, die 57 Prozent der Anteile am Park hält und dem chinesischen Staat gehört. Drinnen gibt an der Wand die Firmenzelle der Kommunistischen Partei Auskunft über das gemeinsame Mitarbeiterstudium der „Ideen Xi Jinpings des Sozialismus chinesischer Prägung im neuen Zeitalter“. Die müssen laut einem neuen Gesetzentwurf nun auch alle ausländischen Professoren und Lehrer im Land erlernen. Wer als Lehrkraft die „nationale Souveränität“ und „Ehre“ Chinas in Frage stellt und die Unterdrückung der muslimischen Minderheit in Xinjiang thematisiert, bekommt Probleme. Ausgenommen vom Gesetz sind angeblich die Auslandsschulen Russlands, Pakistans und Deutschlands.

Die Haupstadt der Provinz Xinjiang heißt im Chinesischen Wulumuqi, in Shanghai ist eine Straße im Konsulatsviertel nach ihr benannt. Der neue, kalte Wind im Verhältnis West gegen Ost erweist sich als heiß und schwül an diesem Vormittag. In der Vertretung Amerikas lassen die Fenster zum Glück kaum Sonnenlicht herein. Neben der Eingangstür hängt auf dunklem Holz hinter Glas das Sternenbanner. Die Fahne habe das letzte Mal vor der Schließung des Konsulats im Mai 1950 geweht, heißt es in der Inschrift darunter. Damals, als Maos Volksbefreiungsarmee die Amerikaner für fast dreißig Jahre aus dem Land hinauswarf.

Im Saal sitzt der Konsul und erklärt die neue Kampflinie. Als er hier am 4. Juli den amerikanischen Unabhängigkeitstag feierte, hatte er keinen Regierungsvertreter Chinas eingeladen. Es wäre wohl auch keiner gekommen. Vor ein paar Wochen konnten die Chinesen in der Zeitung lesen, dass im Weißen Haus über ein Einreisebann nach Amerika für die 92 Millionen Mitglieder der Kommunistischen Partei und deren Familienangehörigen nachgedacht werde, was insgesamt rund 270 Millionen Chinesen betreffen würde. Über den Inhalt des Gesprächs im Schanghaier Konsulat darf nicht berichtet werden, doch wer nach zwei Stunden den Eingang wieder passiert, hat das Gefühl, dass in China womöglich bald das nächste Sternenbanner eingeholt werden muss.

Konsulate schließen
Das amerikanischen Konsulat in Chengdu ist schon geschlossen – als Vergeltung dafür, dass in Amerika die Chinesen ihre Vertretung in Houston räumen mussten. In Hongkong hat Washington chinesische Kader mit Sanktionen belegt, nach denen diese bald wohl nirgendwo auf der Welt mehr mit Kreditkarte zahlen können. China wiederum hat in Hongkong einen amerikafreundlichen Zeitungsverleger wegen der „Kollusion mit ausländischen Kräften“ verhaften lassen.


Öffnen Chinesen in der Technikmetropole Shenzhen dieser Tage auf ihrem Smartphone die App „Portemonnaie“, guckt sie plötzlich Mao an. Haben die Nutzer die App von der Construction Bank heruntergeladen, ist das Konterfei des Revolutionärs und Republikgründers auf dem digitalen Yuan-Schein blau, bei der App der Agricultural Bank ist Mao grün. Die Zahl vor dem Kopf gibt das gespeicherte Vermögen an, darunter stehen Funktionen: Barcode scannen, um zu bezahlen, Geld überweisen, ein QR-Code, um Geld zu empfangen: Seit dieser Woche testen Chinas vier große Staatsbanken die Digitalversion des Yuan.

In Zukunft sollen die Chinesen ihr gesamtes Vermögen inklusive Bargeld in den digitalen Yuan umwandeln können, für dessen Benutzung es dann noch nicht einmal ein Bankkonto braucht. Wollen zwei Nutzer Geld tauschen, müssen sie dafür mit Hilfe der NFC-Funktion nur ihre Telefone aneinanderhalten. Am Freitag weitete die Zentralbank das Testfeld aus auf eine riesige Region um Peking, das Jangtse-Delta um Schanghai sowie weite Teile im Süden und Westen des Landes.
Digitale Mao-Scheine

Hat China erst einmal sein Bargeld vollständig abgeschafft, sollen seine Handelspartner in der Welt mit dem digitalen Mao-Schein zahlen. In den Regionen, mit denen China schon heute eng verflochten ist wie Afrika, dem Nahen Osten und Südostasien, könnten Pekings Banken Geldautomaten aufstellen und elektronische Kassensysteme in Supermärkten und Kaufhäusern in Kairo, Lagos, Dubai und Manila, mit denen in der chinesischen Digitalwährung bezahlt werden kann. In Ländern, in denen Chinas Staatskonzerne im Rahmen der „Gürtel-und-Straße“- Initiative viel Geld in den Bau neuer Brücken und Häfen investiert haben wie Pakistan und Malaysia, könnte Peking auf die Rückzahlung der Schulden in Digital-Yuan bestehen, um die Verbreitung der Währung zu fördern – auf Kosten Amerikas. Irgendwann wäre dann in der Welt die „Hegemonie des Dollars“ beendet, wie Chinas Staatsmedien hoffen.

Was kommt als Nächstes? Ein Finanzkrieg, in dem die Amerikaner chinesische Banken vom Bezahlsystem Swift und damit vom Weltgeschehen abschneiden? Muss Apple in China bald ausschließlich Chinesen beschäftigen und seine Gewinne im Land reinvestieren? Vielleicht versetzt davor schon Washingtons Wechat-Bann Apples China-Geschäft den Todesstoß, falls der Konzern die unverzichtbare Super-App nicht mehr auf seinen iPhones anbieten darf, woraufhin laut einer Umfrage unter 1,2 Millionen Chinesen auf Weibo 95 Prozent davon auf ein Android-Gerät umsteigen wollen.

Noch hoffen die Chinesen darauf, dass sich nach einer Abwahl des aktuellen amerikanischen Präsidenten im November das Verhältnis zu Amerika wieder beruhigt. Wer in Amerika einen Platz an einer der berühmten Universitäten ergattert habe, gebe seinen Traum vom Abschluss noch nicht auf, sagt Chen Qijyun, der seit 15 Jahren in Shanghai Studienplätze in Übersee vermittelt. „Die Eltern von Schülern in der zehnten und elften Klasse gucken sich jedoch nach Alternativen zu Amerika um.“

Dass der Planet in „zwei Welten“ zerfalle, so titelt auch „China Daily“. Das Parteiblatt macht dafür die Amerikaner verantwortlich, was in den Vereinigten Staaten naturgemäß anders gesehen wird. Doch im Ergebnis ist man sich einig. „Zwei feindliche Wirtschafsblöcke entstehen“, warnt die „Harvard Business Review“. Wollten sie nicht auf einer der schwarzen Listen Washingtons oder Pekings landen, müssten amerikanische Unternehmen und solche, die in Amerika Geschäfte machten wie die deutsche Industrie, sich aus Hongkong zurückziehen, ihre Produktion aus China in „politisch sicherere Länder“ verlegen, die Zusammenarbeit mit „chinesischen Unternehmen und Universitäten neu bewerten“ sowie Investitionen im anderen Block überdenken.

Beim deutschen BASF-Konzern dürfte der Denkprozess lange dauern. In den Vereinigten Staaten hat er im vergangenen Jahr Chemie für rund 18 Milliarden Euro verkauft, in China nur für 7 Milliarden. Aber das Wachstum, was das Unternehmen aus Ludwigshafen in den kommenden Jahre global erwirtschaften will, dürfte wohl zu zwei Drittel aus der Volksrepublik stammen, erwarten die BASF-Manager. Im südchinesischen Guangdong bauen sie gerade für 10 Milliarden Dollar Produktionsanlagen, die 2030 fertig sein sollen. Als BASF-Chef Martin Brudermüller vor zwei Jahren in Berlin den Plan unterzeichnete, stand hinter ihm die deutsche Kanzlerin und Chinas Ministerpräsident.

Für Volkswagen wäre es noch desaströser, geriete der Konzern im Streit der Supermächte unter die Räder. Auf dem chinesischen Automarkt, auf dem im vergangenen Jahr rund 9 Millionen Autos mehr als in Amerika verkauft wurden, ist der deutsche Hersteller Marktführer. In den Vereinigten Staaten führt er die Rangliste nur bei den Strafzahlungen an. „Wir können und wollen uns eine solche Situation nicht vorstellen“, sagt ein VW-Manager.

Doch die Situation könnte früher kommen als gedacht. Europäische Wirtschaftsverbände halten es für möglich, dass Washington bald ausländische Unternehmen mit Sanktionen belegt, die in Chinas westlicher Provinz Geschäfte betreiben, wo Tausende von Menschen mit muslimischen Glaubens in Umerziehungslagern gehalten werden. Rund 50 chinesische Unternehmen hat Amerika wegen deren „Unterstützung der Repression“ auf seine schwarze Liste gesetzt. Bald könnten ausländische Firmen dazukommen.

Spreche man hingegen VW-Leute darauf an, wie lange der Konzern in Xijiang noch sein umstrittenes Werk betreiben wolle, komme nur Schweigen, heißt es in Peking. Angesichts dessen, dass das Weiße Haus im vergangenen Jahr europäische Autohersteller schon allein wegen deren Importe als „Bedrohung der Nationalen Sicherheit“ Amerikas bezeichnet hatte, seien sich die Deutschen des Risikos offensichtlich nicht bewusst, das ihnen in ihrer „zweiten Heimat“ drohe.

Der aktuelle Konflikt baut Fronten auf. 96 Prozent aller Chinesen verspürten gegenüber Amerika „Abneigung“, teilte das Außenministerium in Peking mit. 97 Prozent befürworteten „Gegenmaßnahmen“. Das chinesische Volk sei „geschlossener und patriotischer“.
Foto: Neueröffnung

Parallel dazu warten gerade hunderte junge Chinesen viereinhalb Stunden lang auf den Höhepunkt der Woche: dann öffnete eine Filiale von „Shake Shack“ ihre Pforten – eine schwer angesagte Hamburger-Kette aus New York. Zhang Pan ist einer von ihnen, der geduldig wartet, trotz Regen.

15.09.2020

eine kleine Geschichte: Mopetenfahrerin

Eine kleine Geschichte von Frau Sun, der rasanten Mopetenfahrerin

Frau Sun fährt auf Zweirädern so lange sie denken kann. Erst beim Opa auf dem Fahrrad hinten, dann bei Mama auf dem Trittbrett des ersten Mopeds vorn. Nun hat sie schon lange ihren eigenen Scooter und könnte sich längst ein Auto leisten. Aber ein Auto zu fahren, kann sich Frau Sun nicht vorstellen. "Dafür braucht man ja extra einen Führerschein", sagt sie "und steht dann doch nur im Stau." Nein, sie liebt ihre Mopete und das Fahren zwischen und an den Autos vorbei mit dem Fahrtwind im Gesicht. "Wenn ich es vermeiden kann", sagt sie "versuche ich nicht anzuhalten." Sie grinst und gibt zu, dass es jetzt ein wenig schwerer geworden ist mit den vielen zusätzlichen Kameras und Polizisten, aber "ich bin schnell, mein Nummernschild ist klein und ich fahre nie ohne Mütze" sagt sie schelmisch.
Foto: Fussschleifer

Besonders beeindruckend finde ich die lässige Beinhaltung der Chinesen auf den Mopeds, egal ob abgestellt, angewinkelt, hochgelegt oder knapp über der Fahrbahn schleifend. Frau Sun grinst wieder und glaubt "ja, wir sind Weltmeister im Moped fahren, mit oder ohne Ladung. Und können prima Balance halten. Das Lernen wir von kleinauf und können ja auch alle noch Fahrrad fahren". Das betont sie, weil sie gehört hat, dass es in vielen Ländern nicht mehr der Fall ist.

Wenn sie keine Ladung auf dem Trittbrett transportiert, die sie mit den Beinen sichern muss, ist ihre bevorzugte Beinhaltung die ausgestreckten Beine. "Damit kann man super die Kurven nehmen oder Slalom zwischen den Autos fahren", sagt sie "ein leichtes Antippen auf dem Boden und zack den Lenker drehen..." Frau Sun macht das Moped fahren ganz offensichtlich Spass. Ob sie schon mal ihre Flip Flops beim Fahren verloren hat, will ich wissen. "Noch nie!" kommt die prompte Antwort. Nur einmal sei ihr der Schuh weggeflogen, aber das lag nicht an dem Fahren sondern daran, dass der Schuh kaputt war, sagt sie und düst mit ihrer Mopete und ausgestreckten Beinen davon.

Kleingedrucktes zu meinen kleinen Geschichten: Personen, Namen, Handlungen und Zitate sind fast frei erfunden und nur ein neues Format meiner Bildkommentierungen, Beobachtungen, Gespräche und Recherchen.

08.09.2020

eine kleine Geschichte: Coloristin

Eine kleine Geschichte von Cindy, der farbenfrohen Friseurin

Als wir Cindy kennengelernt haben, arbeitete sie noch als Angestellte in einem großen Friseurladen. Und sie war diejenige, die geholt wurde, wenn Laowais, Ausländer, am Empfangstresen standen, denn Cindy ist aus Hong Kong d.h. sie spricht perfekt Englisch und ist super effizient. Zack, zack, zack ist immer alles schnell geklärt, für die anderen übersetzt und los kann's gehen. "Ich habe mich in Shanghai spezialisiert", erzählt Cindy, die eher zu den nicht-erzählenden Friseuren gehört, wenn man nicht konkret fragt "damals war das Thema Haarefärben nur auf schwarz begrenzt und ich war ein echter Exot mit meinen bunten Haaren", sagt sie, lacht verlegen und cool zugleich.
Cindy ist Coloristen mit beneidenswert dickem und schnellwachsendem Haar, das aktuell grau gefärbt ist, und sie inzwischen ihre eigenen Chefin.

"Wenn man in einem Friseurladen angestellt ist, ist das Grundgehalt klein und du verdienst nur gut, wenn du viele Kunden hast", sagt sie. Haarschneide-Kollege Jack, ebenfalls aus Hong Kong, aber eher Kategorie "erzählfreudiger Friseur", fügt hinzu: "Als Senior Hair Stylist bist du schon fast dein eigener Unternehmer, denn du arbeitest wie auf eigene Rechnung, denn du wirst für jeden Schnitt bezahlt, musst aber Abzüge für die Nutzung des Equipments und die Helfern zahlen. Manchmal ist es  auch eine Pauschale pro Stunde und Stuhl". Und klar bringt er sein eigenes Schneidewerkzeug immer mit.

Und weil das so ist, haben sich beide Ende letzten Jahres entschieden, einen eigenen Salon aufzumachen. Cindy ist die Businessfrau dahinter und nach wie vor Chef-Coloristen. Jack "hat es nicht so mit Zahlen", aber schneidet sehr gut. Der Laden ist jetzt etwas weiter von uns entfernt, aber in 10min mit dem Auto erreichbar und in einem Isetan Kaufhaus.
Wie es denn jetzt so läuft, will ich wissen. Cindy nickt, nicht überschwänglich aber ein "ok-Nicken". "Es kommen allerdings keine neuen Kunden hinzu", sagt sie dann doch noch, was ich verstehen kann, denn den Laden muss man kennen, um ihn zu finden. Ein junges Mädchen flitzt hinter uns vorbei. Ich hatte von Jack schon erfahren, dass es Cindy's Tochter ist, aber ich frage trotzdem. "Ja," und Cindy lächelt "das ist auch super an dem eigenen Laden: sie konnte hier sein als die Schulen wegen Corona geschlossen waren und jetzt in den Ferien." Spricht ihre Tochter Englisch? Ein kleines Seufzen ertönt. "Sie versteht nich schlecht, aber ist sehr schüchtern. Zuhause sprechen wie nur Kantonesisch." (Kantonesisch und Englisch waren die beiden offizielle Amtssprache in Hong Kong. Ob das immer noch so ist, bezweifele ich...) Ob sie ihr auch schon mal die Haare gefärbt hat, will ich wissen. "Klar", Cindy grinst schelmisch "einmal auch als Trick, um ihr danach die Haare abschneiden zu können, was sie immer nicht wollte." Siehe da, wenn es um ihre Tochter geht, wird Cindy sogar richtig gesprächig. Aber dann sind wir fertig mit den Strähnen und sie ist auch schon los zum nächsten Kunden, der etwas verlegen seine Mütze absetzt, denn er war 4 Monate nicht mehr beim Friseur.

Kleingedrucktes zu meinen kleinen Geschichten: Personen, Namen, Handlungen und Zitate sind frei erfunden und nur ein neues Format meiner Bildkommentierungen, Beobachtungen, Gespräche und Recherchen.

Was macht eine Coloristin? www.gehalt.de/beruf/colorist-coloristin#berufsbild
Eine Coloristin ist eine Friseurin, die auf Colorationstechniken spezialisiert ist. Sie ist stets auf dem aktuellen Stand der Haarfärbetrends und beherrscht die entsprechenden Techniken, um diese umzusetzen. Die Kundenwünsche und -zufriedenheit stehen dabei im Fokus der Coloristin. Sie berät hinsichtlich der passenden Farbe, schenkt den individuellen Anforderungen der Kundin Beachtung und weiß, welche Haut- und Augenfarben mit welchen Haarfarben harmonieren.

Nicht selten bringen Kundinnen Bilder von Prominenten mit, nach deren Vorbild sie ihre Haare gefärbt und gestylt bekommen möchten. Coloristinnen sind nicht nur in der Lage, anhand des Fotos aus bereits vorhandenen Haarfarben die passende auszuwählen, sondern sie können auch eine eigene Rezeptur erstellen, um den Farbton bestmöglich zu treffen. Zudem bessern sie ausgeblasste Spitzen oder ausgewachsene Ansätze aus. Coloristinnen beraten außerdem bezüglich der Haarpflege und geben sowohl für die Vor- und Nachbehandlung der Färbung Tipps.

Wer Colorist werden möchte, kann bereits während der Friseurausbildung den Schwerpunkt Coloration wählen. In der Weiterbildung zum staatlich geprüften Coloristen können Friseurgesellen bei privaten Anbietern ihr Wissen rund um das Thema Farbe vertiefen. Innerhalb von fünf Wochen werden spezielle Färbetechniken und umfassendes Wissen rund um die Themen Haar und Farbe vermittelt. Schließlich wird eine Prüfung bei der Handwerkskammer (HWK) absolviert, die staatlich zugelassen und einheitlich geregelt ist.

Um das eigene Profil weiter zu stärken, haben Coloristen darüber hinaus viele Möglichkeiten. Sie spezialisieren sich beispielsweise zusätzlich auf Haarverlängerungen oder absolvieren eine Zusatzausbildung zum Visagisten. Dies sichert gute Karrierechancen in Friseur- und Stylisten-Salons.
Foto: kritischer Panther

18.08.2020

eine kleine Geschichte: Mastenerklimmer

Eine kleine Geschichte von Herrn Jia, dem kletternden Elektriker

Herr Jia ist eine Elektriker. Aber kein normaler, denn er ist für die Kontrolle und Wartung von Strommasten in der Stadt zuständig. Herr Jia mag seinen Beruf. "Wenn ich mit meinen Steigeisen die Masten hochsteige, bleiben viele Leute stehen und gucken mir zu" sagt er und strahlt stolz.
Früher war sein Beruf viel gefährlicher, erzählt er weiter. "Die Stromkabel waren nicht gut montiert und ganz durcheinander, denn sie wurden einfach von Bewohnern angezapft. Das ist heute verboten" sagt er, lacht und grinst, denn er weiss, dass es in Seitenstrassen und alten Wohnvierteln immer noch oft passiert.

"Ausserdem schreibt die Regierung jetzt eine Sicherheitsausrüstung für uns Freileitungselektiker vor." wieder schwingt sehr viel Stolz in der Stimme mit. Dazu gehören Helm, Halte- und Klemmseil, die ein Abrutschen verhindern, die Steigeisen und sein Blaumann-Anzug.
"Klar, ist die Arbeit auch anstrengend", sagt Herr Jia "aber sie hält mich fit und ich tue Gutes, denn wir alle brauchen den Strom und die Sicherheit ist sehr wichtig."

Und dann steigt Herr Jia mit einem unüberhörbaren und unverkennbaren (wenn man erst einmal weiss, was es ist) scheppernden Klack-Klack... Klack-Klack... Klack-klack den Betonmasten rauf.
Foto: Kletterer
Nachtrag: ich konnte keine Nahaufnahme der Klettereisen machen (denn Herr Jia blieb eine ganze Weile auf seinem Masten), bin mir daher nicht ganz sicher, wie die Ringe wirklich aussehen, denn die Abbildung unten zeigt Steigeisen für Holzmasten.
Foto: Steigeisen für Holzmasten Quelle: www.fotocommunity/im-mast
Kleingedrucktes zu meinen kleinen Geschichten: Personen, Namen, Handlungen und Zitate sind frei erfunden und nur ein neues Format meiner Bildkommentierungen, Beobachtungen, Gespräche und Recherchen.

11.08.2020

eine kleine Geschichte: Neuwagenkäufer

Eine kleine Geschichte von Herrn Lin Yan, dem Karoq Fahrer

Herr Lin Yan hat sich kürzlich einen Karoq gekauft. Eigentlich hatte er ja mit einem Tiguan geliebäugelt, aber Herr Lin Yan ist noch nicht verheiratet und braucht keinen so grossen Wagen für die Familie, auch wenn die Familienplanung jetzt ansteht. Deshalb sollte es aber auf jeden Fall ein SUV sein. Ein Freund hatte ihm empfohlen, sich doch mal Skoda anzuschauen, denn die sind wie Volkswagen, also mit deutscher Qualität, und die Skoda Händler in Chengdu wären viel freundlicher und geben aktuell viel Rabatt. Auch auf den online Auto-Vergleichs-Portalen wie Autohome oder Bitauto wurde Skoda nicht schlecht bewertet. Also ist Herr Lin Yan mal zu einem Händler gefahren.
Foto: grosser Kofferaum

Nach einer kurzen Probefahrt hat sich Herr Lin Yan auch gleich entschieden und auch noch mehr Geld gespart als geplant, denn statt einem Kodiaq (der wie der Tiguan L/Allspace ist) hat er sich für einen etwas kleineren Karoq entschieden, der ihm gross genug ist (Anmerkung der Autorin: Kann ich total verstehen, denn ich bin ja auch Karoq Fahrerin)

Ein paar Wochen später hat ihn sein Händler wieder angerufen und gefragt, ob er ihn zur Motorshow einladen und er, Herr Lin Yan, nicht ein paar Worte auf der Bühne sagen könnte. Für Herrn Lin Yan war das eine Ehre und zur Motorshow war er auch noch nicht. Sie findet seit letztem Jahr in einem neuen Stadtteil von Chengdu und auf einem ganz neuen Messe-Gelände statt. Also, kein Problem, das macht er gern und es wurde ihm auch versichert, er braucht sich nicht um seinen Redetext zu kümmern. Der wird ihm vorgeschrieben: viel Platz, guter Motor und Ausstattung, deutsche Qualität, schickes Design. Das wären die Schlagworte. Denen konnte Herr Lin Yan sofort zustimmen.

Als er dann auf der Bühne stand, war Herr Lin Yan aber doch sehr aufgeregt. Es war eine richtige Pressekonferenz mit einem westlichen "big potato" Boss auf der Bühne. Denn Herr Lin Yan hat das 3millionste Auto von Skoda gekauft. Er hatte seinen Text auswendig gelernt, aber Teile sind ihn dann doch entfallen. Trotzdem ist Herr Lin Yan sehr stolz, denn er hat bei der Pressekonferenz auch erfahren, dass keine andere europäische Automarke so schnell 3 Millionen Autos in China produziert hat. "Also", findet er "muss Skoda eine sehr erfolgreiche Marke sein, auch wenn ich vorher nichts von ihr gehört habe." und fügt hinzu "mit dem Karoq bin ich sehr zufrieden."
Foto: auf der Bühne
Kleingedrucktes zu meinen kleinen Geschichten: Personen, Namen, Handlungen und Zitate sind fast frei erfunden und nur ein neues Format meiner Bildkommentierungen, Beobachtungen, Gespräche und Recherchen.
Foto: nicht mehr im Zentrum, sondern südlich davon, das neue Messegelände

04.08.2020

eine kleine Geschichte: Autobahngebühren

Eine kleine Geschichte von Frau Xu, der Mautkassiererin

Frau Xu's Schicht hat begonnen. Es ist 19 Uhr und sie freut sich, dass sie am manuellen Schalter startet, denn das ist abwechslungsreicher als am ETC-Schalter (electronic toll collection), an dem automatisch von der ETC-Karte heruntergebucht wird und man nur eingreifen muss, wenn es mal nicht funktioniert.
"Wir haben im Mai neue Computersysteme bekommen", erzählt Frau Xu "da klappte am Anfang gar nichts", denn die ETC Karten mussten neu programmiert werden und auch die automatische Nummernschilderkennung hatte ihre Macken. Es dauerte ewig bis das Foto auf dem Bildschirm erschien und das Nummernschild erkannt wurde." Aber wie oft in China wurde trotzdem eingeführt und riesige Warteschlangen vor den Schalten war das Ergebnis.

Auf die Frage, ob die Fahrer nicht sehr verärgert darüber waren, zuckt Frau Xu die Schultern und meint "natürlich war es nicht gut, so lange Staus zu haben, aber wir haben alle unser Bestes gegeben, hatten viel mehr Personal an den Stationen und zusätzliche Stände aufgebaut, damit Autos dort abgewickelt werden können, bei denen es nicht funktionierte. Die Fahrer waren alle sehr verständnisvoll', lobt sie. Auch für die Regierung hat sie viel Lob übrig, denn das System wurde Ende Mai eingeführt in einer Zeit, wo die Autofahrer wegen Covid19 keine Gebühren zahlen mussten. Das fand Frau Xu sehr gut, denn "die Autofahrer mussten zwar lange warten, aber haben nichts bezahlt."

Von Februar bis Mai wurden in China nämlich keine Autobahngebühren erhoben, damit der Verkehr dort, wo er fliessen durfte, so reibungslos wie möglich funktioniert, also Autofahrer nicht anhalten müssen. Gleichzeitig war es eine Massnahme, um Bürger und Transportunternehmen finanziell zu entlasten.

2 Wochen nach der Installation der neuen Kameras und Computersysteme klappte dann alles auch viel besser und das Prinzip "einfach erstmal machen und dann schnell nachbessern" hat mal wieder funktioniert. Jetzt sieht man sich und sein Auto auf einem grossen Bildschirm in den kleinen Schaltern der Mautstationen. Für manuelle Bezahler geht es dann sehr "NICHT-Hightech" weiter, denn man bekommt weiterhin eine dicke Plastikkarte in die Hand gedrückt, die man entgegennehmen und wieder abgeben muss. Warum? ist eine Frage die Frau Xu sich noch nie gestellt hat, es ist einfach so, die Karte muss ein-/ausgelesen werden (siehe Blogeintrag http://JTEBS/2019/autobahngebuhr)

Aus abrechnungstechnischen Gründen nutze ich meist immer noch die "manuelle" Spur, wo man einen Beleg bekommt. Der Preis für mein Autobahnstück zur Arbeit wurde von 10 auf 8 RMB gesenkt. Auch das findet bei Frau Xu viel Lob für die Regierung, denn es sollte nicht immer alles teurer werden. Bezahlt werden kann am manuellen Schalter per smartphone oder auch noch bar. "Warum immer noch so viele bar bezahlen?" frage ich Frau Xu. Sie überlegt kurz und meint dann, es könnte daran liegen, dass man sein Telefon aus dem Auto und vor den Scanner halten muss. "Das ist etwas unpraktisch", gibt sie zu und dauert sogar oft länger als die Barzahlung. Aber, sie hätte gehört, dass neue Scannergeräte geplant sind. Sagt sie und wickelt meine 2 Yuan Rückgeld-Münzen in die Quittung ein, damit sich bei der Übergabe nicht auf die Strasse fallen.

28.07.2020

eine kleine Geschichte: fliegender Händler

Eine kleine Geschichte von Herrn Hu, dem Vielberufler

Herr Hu hat viele Berufe. Morgens arbeitet er in der Auslieferung eines Logistikunternehmens und beliefert Wochenmärkte mit Obst und Gemüse. Nachts hilft er auf Strassenbaustellen, wenn schwere Arbeiten zu verrichten sind. Am liebsten ist Herr Hu aber Händler für Keramik. "Da bin ich mein eigener Chef", sagt er "keiner sagt mir, was ich machen soll und die Arbeit ist auch nicht so anstrengend." Er grinst und klopft sich auf den Bauch "allerdings bin ich dadurch auch viel fetter geworden", sagt er in der typischen chinesischen Direktheit.
Foto: warten auf Kundschaft
Sein mobiler Verkaufsladen ist ein Elektrofahrrad mit Ladefläche, das er einfach auf dem Gehweg stellt und auf Kundschaft wartet. Ob er heute schon etwas verkauft hat, will ich wissen. "Nein", sagt Herr Hu entspannt, "aber ich bin auch gerade erst gekommen".
Die Geschäfte laufen am besten in den frühen Abendstunden, wenn Leute von der Arbeit oder zum Essen gehen. Seit er das moderne, japanisch wirkende Keramikgeschirr anbietet, hat er auch schon an einige Laowais, Ausländer, verkauft, die hier vorbei kommen. "Die bestellen sogar vor", grinst er zufrieden. Heute zum Beispiel hat er 5 Schalen für eine Kundin auf der Ladefläche, die schon eine Schale zuvor gekauft hat und sehr zufrieden war. Damit ist der Verdienst des heutigen Tages und das Abendessen auf jeden Fall gesichert. Die Preise pro Teil liegen bei ca 2-3 Euro.

"Seit dem letzten Jahr ist es etwas schwerer geworden, einen guten Platz zu finden", erzählt er, denn die Polizeipräsenz an geschäftigen Verkehrskreuzungen hat erheblich zugenommen. "Eigentlich kontrollieren sie, ob die Verkehrsregeln auf der Strasse eingehalten werden, aber wenn sie nichts zu tun haben, fragen sie auch mal bei uns nach, ob wir eine Lizenz haben und hier stehen dürfen." Herr Hu grinst, das hat er natürlich nicht, aber er hat ein gutes Verhältnis mit der lokalen Polizei und passt auf, dass er mit seinem Laden nicht im Weg steht.
Foto: mobiler Verkaufsstand
"Das Problem ist meist", erzählt er weiter, "dass sobald ich mein Fahrrad abgestellt habe, andere Händler dazukommen wollen." Da muss er manchmal etwas ungemütlich werden und die anderen verjagen. Er grinst "mit mir will sich lieber keiner anlegen" und richtet sich auf seinem Höckerchen auf, um seine imposante Figur zu betonen. Auch betonen tut er dann "ich gönne jedem sein Geschäft, aber wir dürfen nicht den ganzen Gehweg blockieren."
Ich überlege, ob ihm das wohl einer seiner lokalen Polizisten-Freunde erzählt hat, denn diese Einstellung und Um-/Rücksicht ist sehr untypisch für den normalen Chinesen.

Herr Hu wendet sich wieder seinem Smartphone zu. Als vierten Beruf betreibt er nämlich noch einen online-Handel auf Taobao, der chinesischen eCommerce Plattform von Alibaba. Da verkauft er allerdings kein Keramik, sondern Socken aus Datang, seiner Heimatstadt und Socken-für-die Welt-Produktionsstätte. "Die kann ich wirklich nur empfehlen", sagt Herr Hu und zupft sich demonstrativ an der eigenen grau-blauen Socke. "Die rutschen nicht und sind sehr bequem! ... und billig" fügt er verkaufstüchtig hinzu. Und klar, hat er auch ein paar Socken auf seinem Fahrrad mit dabei. Man weiss ja nie.

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21.07.2020

eine kleine Geschichte: Testfahrer

Eine kleine Geschichte von Tony, dem Tester

Tony, sein chinesischer Name in Tingfu, ist Testfahrer bei SAIC Motor, dem größten Automobilhersteller in China. Genauer arbeitet Tony als Ingenieur in der Versuchsabteilung von SAIC Volkswagen, also nicht bei SAIC General Motors, SAIC Maxus, SAIC-GM-Wuling oder wie sie alle heissen. Das findet Tony gut, denn er mag deutsche Autos und war schon immer ein Fan der Premiummarken wie BMW, Mercedes oder Audi. "Die Qualität der deutschen Autos ist immer noch sehr gut", findet Tony, der auch ein Motorsportfan ist. "Ich mag schnelle Autos", sagt er und grinst, denn aktuell schleicht er mit 20kmh durch die Yutian Straße in Anting. Chinesen haben Humor!

Vor ein paar Wochen hat Tony den Job gewechselt. Er ist vom Volkswagen Team (SV) zum neuen Audi Team (SA) gewechselt. Eigentlich hat ihm der Job bei Volkswagen viel Spaß gemacht, denn er hat autonome Fahrtests für den Tiguan auf normaler Straße durchgeführt. Das ist seit 2018 erlaubt www.car-it.com/neue-richtlinien-fuer-autonomes-fahren-in-china

Aber er wurde gefragt, ob er nicht zum Audi Team wechseln will und "wenn man gefragt wird, sollte man nicht Nein sagen", weiss er. Das ist nicht karriereförderlich, und die will er unbedingt machen. Deshalb arbeitet er hart und lange, gern auch an Wochenenden (was natürlich nicht bezahlt wird) und ist in die Partei eingetreten. Auch wenn er nicht alles gut findet, was die Partei macht, ist es wichtig dabei zu sein. "Nur so kann man selbst auch etwas verändern", sagt er, das gilt besonders auch in einem Staatsunternehmen wie SAIC Motor. 

So macht er jetzt also seit 2 Wochen nicht mehr Tests für autonomes Fahren für VW, sondern Abgastest mit Audi Modellen. "Die Auflagen in Shanghai sind inzwischen sehr streng" erzählt er, denn eigentlich werden ja nur noch NEVs (New Energy Vehicles) gefördert. Er streicht über das Lederlenkrad des Audi S8 und erklärt: "Das ist schon eine ganz andere Klasse als Volkswagen, die viel Plastik und nichts Besonderes in Innenraum bieten."

Von den Plänen, dass Audi Teil der SAIC Volkswagen wird, hatte Tony schon 2016 gehört, aber es dauerte dann doch viel länger als geplant. Nun soll es ab 2022 losgehen. Die Fabrik (bisher allerdings ohne Audi-Logo) steht und immer mehr Leute werden zum Audi Team von den anderen beiden Marken (Volkswagen und Skoda) geholt.
Foto: Test
Tony ist froh, einer der ersten gewesen zu sein, die jetzt bei Audi arbeiten, denn er hat gehört, dass es SVW nach der Corona Krise nicht mehr so gut geht. "Leute kaufen jetzt lieber entweder die lokalen Marken, die wirklich aufgeholt haben in Punkte Sicherheit und Technologie und die viel billiger sind", sagt er.
"Oder die Luxusmarken wie Audi", sagt er und tritt ausnahmsweise ordentlich auf's Gas, den die grüne Ampel fängt an zu blinken, was bedeutet, dass sie gleich auf Rot umspringen wird. Tony grinst schelmisch: "Eigentlich kann ich auch bei Rot fahren, denn hier ist keine Kamera installiert und wir haben kein Kennzeichen", aber weil er ja Karriere machen will, tut er gut daran, sich an Regeln zu halten, denn man weiss ja nie. Und schliesslich ist er Testfahrer.

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http://autonews.gasgoo.com/audi: In November, 2016, the project between SAIC and Audi was unveiled. But it was confronted with strong disagreement from FAW-VW Audi and its dealers. 

Afterwards, Audi, together with its local partner FAW Group, defined 21 key strategy fields with respective goals in a 10-year plan in 2017 January. Just several months later, Audi, FAW Group, FAW-VW and Audi dealer association, signed an agreement to ensure the sales volume of FAW-VW Audi can reach 900,000 units by 2022. It also stipulates Audi is not allowed to sell products through another party in China before January, 2022. However, Audi’s performance in the Chinese market leaves something to be desired, especially under the endorsed 10-year project. In the first ten months of 2019, Audi’s sales in China merely rise 2.1% to roughly 551,000 units, while those of Mercedes-Benz (not including Smart), BMW (including Mini) were around 583,000 and 587,000 units respectively and their sales growth rates were higher.

Actually, new progress has been made between Audi and SAIC. In June, 2018, the German brand acquired 1% equity in SAIC Volkswagen joint venture (JV). And the JV saw its MEB plant in Shanghai start trial production in November this year. Just before the Auto Guangzhou 2019, Audi China suggested it would not sell products in the biggest auto market through the Shanghai-headquartered manufacturer before 2022.


14.07.2020

eine kleine Geschichte: Dreirad

Eine kleine Geschichte von den Herren Zhang und Wang, den Taxifahrern

Wenn man Herrn Zhang und Herrn Wang nach ihrem Beruf fragt, sagen sie, sie sind Taxifahrer. Auch wenn auf ihrem Gefährt kein Taxischild prangt, aber sie kutschieren schliesslich Fahrgäste in ihren Passagier-Dreirädern. Die Geschäfte liefen schon mal besser. "Die Leih-Fahrräder haben uns das Geschäft kaputt gemacht", beklagt sich Herr Zhang, denn ihr Geschäftsmodell basiert auch auf "the last mile", also das letzte Stück, was man von der U-Bahn Station zum Zielpunkt benötigt, die Kurzstrecke also.
Foto: Dreirad Motorrad
Trotzdem hat Herr Wang im letzten Jahr in ein neues Dreirad investiert. Was er bezahlt hat, will er nicht recht sagen und lacht verlegen. Er hat sich mit anderen Kollegen zusammen getan, so viel verrät er, zu einem Group Buy Deal. Wenn ich auf Alibaba nachschaue, was solche Gefährte kosten, geht es bei ca. 900 Euro los https://alibaba.com/CN_motorized-tricycle-Trade, vermutlich hat Herr Wang nicht mal die Hälfte bezahlt.

Herr Wang hat in die Zukunft investiert. Er ist jünger als Herr Zhang und sein motorisiertes Dreirad war in einem viel schlechteren Zustand als das vom Kollegen. Als es dann im letzten Jahr bei den Leihradfirmen Ofo und Mobike Schwierigkeiten gab, hat Herr Wang seine Chance gewittert und ein neues mit Hartschalendach gekauft. Ausserdem erzählt er, wird jetzt mehr von der Polizei kontrolliert, in welchem Zustand die Dreiräder sind.

Herrn Zhang ist das egal. Er liebt sein Dreirad und ist stolz darauf. "Es gibt jetzt reiche Chinesen, die sich so eine teure amerikanische Motorrad-Marke kaufen" (er meint Harley-Davidson). Ich finde, mein Tricyle sieht vorne genauso aus", sagt er und grinst stolz.
"Außerdem", der typisch chinesische Sinn für Geschäfte kommt durch, "habe ich auf meiner Rücksitzbank mehr Platz als die neuen Motorräder und der Einstieg für Fahrgäste ist leichter. Das ist ein Wettbewerbsvorteil", sagt er und klopft Herrn Wang kumpelhaft auf die Schulter.
Herr Wang nickt und wendet seinen Kopf dann zum Metroausgang, um zu schauen ob er potentielle Fahrgäste erspäht. Darin ist er nämlich besser.
Foto: warten auf Fahrgäste


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07.07.2020

eine kleine Geschichte: Dancing on Douyin

Eine kleine Geschichte von Ying Fei, der TikTok Tänzerin 

Ying ist 7 Jahre alt und liebt das Tanzen. Fast noch viel mehr liebt sie aber aktuell ihren neuen roten Rock, den Mama auf Taobao für sie und ihre Schwester erstanden hat. Taobao ist eine chinesischen eCommerce Plattform von Alibaba, also eine chinesische eBay-Amazon-Kombination, auf der Waren entweder als Auktion oder zu einem Festpreis angeboten werden. Ying's Mama kauft fast alles auf Tabao.
Foto: Douyin / TikTok logo


Foto: Tanzen
Überhaupt liebt Ying's Mama das Internet und vor allem liebt sie die Videoplattform TikTok, die im Chinesischen Douyin heisst. Es handelt sich um ein soziales Netzwerk, ähnlich wie Instagram, also eine kostenlose App. Anstatt von Bildern werden jedoch kurze, selbstgedrehte Videos eingestellt, meist mit Musik unterlegt, häufig wird dazu getanzt oder gesungen. Seit es diese Platform gibt (2017), ist Ying's Mama richtige "Filmemacherin" geworden. Es startete damit, dass sie für Ying's Oma die Tanzvideos ihrer Töchter eingestellt hat. Denn Ying's 66-jährige Oma, Jing Fei, lebt in einer anderen Stadt, ist Rentnerin, geht selbst oft zum Tanzen in den Park und gehört zu den über 400 Mio täglichen Douyin Nutzern. Sie schaut sich aber nicht nur die Videos ihrer Enkelinnen an, weit gefehlt. Eigentlich war es sogar Ying's Oma, die mit TikTok Videos gestartet hat. "Seit ich Rentnerin bin, habe ich viel mehr Zeit", sagt sie. "Douyin macht mein Leben interessanter. Es fordert mich geistig, damit ich auch hier", sie tippt sich an den Kopf, "fit bleibe. Es ist gut, sich im Ruhestand mit so etwas beschäftigen zu können", erklärt sie. Außerdem gefällt ihr, dass "ganz normale Leute ihre Videos über ihr ganz normales Leben hochladen". Man braucht auch nicht lange zu üben, denn die Videos haben meist nur eine Länge von 15 Sekunden. Themen sind oft Streiche, Alltägliches, Karaoke, Haustiere oder eben Tanzen. Ying Fei hofft, dass sie durch ihre Tanzvideos berühmt werden kann und natürlich ganz viel Geld verdienen wird. Dann würde sie Oma Jing ein Haus in der Nähe kaufen, damit sie zusammen üben und Videos drehen können. Im roten Rock, versteht sich.

https://www.tagesschau.de/ausland/tik-tok-app-101.html: Obwohl Design, Entwicklung und Programmierung der App chinesisch sind, kam das Produkt erst verhältnismäßig spät nach China. Da gab es TikTok-Vorgänger Musical.ly bereits in Europa, USA und in anderen asiatischen Ländern. China sei ein ganz anderer Markt, erklärt Musical.ly-Gründer und TikTok-Chef Alex Zhu. Der Wettbewerb sei anders, viel intensiver. "Alle Unternehmen verbrennen Geld, um Influencer und Traffic zu kaufen. Es ist schlicht teuer, in China auf dem Markt zu sein. Man braucht ein großes Team und ein riesiges Budget. Darum haben wir am Anfang gesagt: Lass uns zuerst auf Länder außerhalb Chinas fokussieren", legt Zhu dar.
Seit 2017 läuft das Geschäft nun aber auch richtig in China. In dem Jahr kaufte das chinesische Unternehmen ByteDance TikTok (damals noch Musical.ly)
Keine Plattform wuchs 2019 so schnell wie TikTok. Nun versucht YouTube auf den Zug unterhaltsamer Kurzvideos aufzuspringen (mit seinen You Tube Shorts). Immerhin verschlief die aktuell noch weltgrößte Videoplattform schon Trends wie Videospiel- und Musik-Streaming. Während in China TikTok auch für Ältere ist, erfreut sich die Plattform im Western vor allem bei jungen Menschen großer Beliebtheit. Youtube will seine "Shorts" dabei in einen Feed integrieren und keine neue Plattform entwickeln. Gerade hier liegt das "Suchtpotenzial" von TikTok: Die maximal einminütigen Videos erfordern eine kurze Aufmerksamkeitsspanne, bieten durch den endlos scheinenden Feed an Videos aber trotzdem stundenlange Unterhaltung. Als Erfolgsgarant nutzt TikTok dabei unter anderem Instagram- und YouTube-Influencer, die sich auf der Plattform breitmachen. Entsprechend hofft YouTube, über seine Stars Zuschauer an sich zu binden. Vor Ende 2020 ist aber nicht mit YouTube Shorts zu rechnen. Es wäre aber wichtig, um Konkurrenz zur aus Beijing stammenden Plattform zu haben, die natürlich einer zentralen Kontrolle unterliegt.

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30.06.2020

eine kleine Geschichte: Tanzen im Park

Eine kleine Geschichte von Herrn Tang, dem passionierten Tänzer

Herr Tang kommt jeden Tag in den Xiangyang Park. Am Wochenende ist er ab 14:30 Uhr da. In der Woche von 18 -21 Uhr. Er muss pünktlich sein, denn er wird sehnsüchtig erwartet von seinen Tanzschülern: jung und alt, weiblich, männlich, alles ist dabei und freut sich über das Engagement des inzwischen 70jährigen Herrn Tang. "Was kann ich denn Schöneres machen", sagt der Rentner "als meine Freude am Tanzen weitergeben". Diese Freude und Leidenschaft sieht man ihm an, jeden Tag und immer wieder.
Foto: in Action
Auf Samstag freut Herr Tang sich aber besonders. Denn dann unterrichtet er die Kleinen.
"Am Anfang habe ich nur Erwachsenen geholfen, ihre Tanzschritte zu verbessern", erzählt er. Die hatten sich einfach um ihn gescharrt und mitgemacht, wenn er tanzte. Inzwischen bezeichnet sich Herrn Tang ganz offiziell als Tanzlehrer, denn er hat einen richtigen Plan für seine Tanzkurse und eine offizielle Genehmigung, eine Musikbox in den Park mitzubringen.
Herr Tang lacht "ich hatte gar nicht vor zu unterrichten, sondern bin nur in den Park gekommen, um selbst zu tanzen. Es sind dann aber immer mehr Schüler dazugekommen, die fragten, ob sie nicht regelmäßig mit mir üben könnten. Dann fragten Mütter, ob sie ihre Töchter bringen können. Und so kam eins zum anderen" erzählt er stolz.

Herr Tang hat das Tanzen von seiner Mutter gelernt, die ihn schon als kleinen Junge mit in den Park nahm. Herr Tang erinnert sich "Wir hatten nicht viel Geld, aber wenn meine Mutter sonntags zum Tanzen ging, hat sie sich fein gemacht, wie eine richtige Dame."
Ihm war es zu langweilig zuzuschauen, deshalb hat er sich einfach dazugestellt und angefangen, die Bewegungen nachzumachen. Dass er Talent hatte, sah seine Mutter sofort und hat mit ihm viel weiter geübt. Heute versteht er das und sagt "man sieht sofort, wenn ein Kind, Gefühl für Rhythmus, Musik und Bewegung hat." Er zeigt auf die kleine Ying. "Sie ist erst seit einem Monat dabei, aber macht ihre Sache schon viel besser als die große Schwester."

Inzwischen hat Herr Tang es für seine Kurse zur Auflage gemacht: wer regelmäßig kommen will, muss in ein Tanz-Outfit investieren. "Der Rock muss schwingen", sagt Herr Tang "und die Schuhe brauchen einen Absatz". Das Outfit von der kleinen Ying gefällt ihm und mir besonders gut: schlicht, in schwarz-rot-weiß, ganz spanisch mit einem nicht zu kurzen Rock.
Ying's Mutter ist sehr ehrgeizig und hofft, dass zumindest eine ihre beiden Töchter auf der Videoplattform TikTok berühmt werden könnte. (Anmerkung: In China heisst TikTok auch Douyin und ist eine Art chinesisches Youtube, was mit 400 Millionen aktiven Nutzern pro Tag jung und alt mit Kurzvideos unterhält.)

Ying's Mutter freut sich sehr über das Engagement von Herrn Tang. "Er nimmt kein Geld dafür", sagt sie, " das ist sehr ungewöhnlich, denn in China kostet alles Geld."
Warum Herrn Tang kein Geld nimmt, will ich von ihm wissen. "Ach", er schüttelt abwehrend mit den Händen "ich habe alles, was ich brauche" und wiederholt, was er wirklich meint "ich möchte einfach meine Freude am Tanzen weitergeben" sagt er und demonstriert den Kindern erneut, die richtige Hand- und Armbewegung, für die neuen Tanzschritte, die sie heute gelernt haben. www.youtube.com/HerrTangderTanzlehrer
Foto: Vormachen - Nachmachen
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23.06.2020

eine kleine Geschichte: Verkehrspolizei

Eine kleine Geschichte: Herr Li, der Verkehrspolizist

Herr Li ist Verkehrspolizist in Shanghai und hat immer viel tun, aber seit einem Jahr besonders viel. Denn da wurde eine Anordnung erlassen, dass Verkehrsregeln auch von Zwei-, Dreiradfahrern und Fußgängern beachtet werden müssen. Seitdem können sich Herr Li und seine Kollegen kaum mehr vor Arbeit retten. "Natürlich galten Verkehrsregeln schon vorher für alle Verkehrsteilnehmer", erzählt Herr Li "aber viele Menschen, die keinen Autoführerschein haben, kennen die Regeln gar nicht", weiss er. 

Deshalb wurde am Anfang auch auf "freundliche Aufklärung" gesetzt, was bedeutete: viel Polizeipräsenz auf Straßen und Kreuzungen, damit Verkehrsteilnehmer angehalten, aufgeklärt und gewarnt werden, dass ihr Verhalten zukünftig nicht toleriert werden wird: nein, bei ROT darf man NICHT über die Ampel fahren oder gehen. Als Scooter- oder Radfahrer darfst du NICHT in eine EINBAHNstrassen fahren, überhaupt müssen Fahrbahnrichtungs- oder andere Markierungen sowie Straßenschilder beachtet werden. Kreuzungen bitte nicht diagonal oder zu einem beliebigen Zeitpunkt, ohne zu gucken überqueren. Auch müssen motorisierte Zweiräder ordnungsgemäß zugelassen sein inklusive der Batterien, Windschutzvorrichtungen oder sonstigen selbstgetätigten Anbauten.

"Nicht immer zeigen sich die Verkehrsteilnehmer einsichtig", erzählt Herr Li und ein bisschen versteht er es auch, wenn sich Leute beschweren, dass sie nun große Umwege fahren müssen. Wenn er kann (und das geht nicht mehr oft, denn überall werden neue Kameras installiert), drückt Herr Li auch noch manchmal beide Augen zu, gerade bei älteren Verkehrsteilnehmern. "Aber auch die Alten müssen mit der Zeit gehen und sich an Regeln halten", fügt er dann aber streng hinzu "es dient zur eigenen Sicherheit und dem besseren Verkehrsfluss in Shanghai", so die Parole.

Inzwischen ist die Zeit der "freundlichen Aufklärung" vorbei, es werden Strafen und Punkte verteilt sowie Arbeitgeber informiert. Im Englischen wird von "crackdown" (Durchgreifen, Durchsetzen der Regeln) gesprochen. Seitdem geht es auf Shanghai's Straßen nun auch wirklich sehr viel disziplinierter zu.
Foto: Verkehrspolizei
"Jetzt habe ich wieder normal viel zu tun", erzählt er, denn auch die Corona-Sonderschichten sind seit Mai eingestellt, zu denen Herr Li Straßenkontrollen beaufsichtigen musste, damit Temperatur und Gesundheit-QRcodes der Autofahrer geprüft werden konnten. 

Sein heutiger Dienst hat wieder an der Zufahrt zur Yanan Hochstraße, Ecke Ruijin Strasse begonnen. Da steht er morgens ab 7 Uhr und schaut, wie sich der Berufsverkehr auf der Hochstrasse entwickelt. Wenn diese zu voll wird, sperrt er die Auffahrt einfach ab oder wie heute, öffnet nur eine Spur, um weniger Autos rauf zu lassen. "Das ist das effektivste Mittel", erklärt er und zuckt mit den Achseln "in Shanghai gibt es einfach zu viele Autos".
Foto: Hochstraßenauffahrt


Seine Arbeit macht Herr Li gern, jetzt sogar mehr als früher, denn die Arbeit ist sicherer geworden. Weil die Verkehrsteilnehmer mehr auf Regeln achten, werden auch die auf der Straße stehenden Verkehrspolizisten nicht mehr so häufig übersehen.

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16.06.2020

eine kleine Geschichte: Elektroroller

Eine kleine Geschichte von Frau Yang, einer elektrorollenden Oma

Wenn Frau Yang ihren Enkel zur Schule bringt, macht sie das mit dem Elektroroller. Shichao wohnt mit seinen Eltern und Großeltern in einem Hochhaus in der Stadt, im selben Wohnblock, aber unterschiedlichen Stockwerken. Das ist praktisch und viel besser als bei vielen anderen Kindern in seiner Klasse. Die leben in der Woche bei ihren Grosseltern und sehen ihre Eltern nur am Wochenende. Denn die wohnen und arbeiten woanders. Shichao's Eltern müssen natürlich auch arbeiten, aber haben ein Auto. Das nutzt Papa, um zur Arbeit zu fahren. Zur Schule geht es aber immer mit Oma und dem Familien-Elektroroller.
(Anmerkung, die aber vom Thema Elektroroller ablenkt: in den letzten Monaten ging es natürlich nicht zur Schule, denn es wurde online schooling gemacht, über 3.5 Monate. Das war für Shichao ganz schön anstrengend, denn er saß fast den ganzen Tag vor dem Computer bei Oma und Opa, um zu lernen, aber Mitte Mai ging es dann wieder los)
Foto: zur Schule

Sieben Kilometer sind es von der Wohnung bis zur Schule. Mit dem Auto würde es viel länger dauern als mit dem Elektroroller. So sind die beiden in ca 15min an der Schule. Shichao findet die Fahrt auf dem Roller toll, wenn sich Oma gemeinsam mit vielen anderen leise surrenden Rollerfahrern im Schwarm durch die Strassen bewegt. Das ist lustig, nur bei Regen doof, denn da wird man trotz Regencape ganz schön nass.

Die meisten Kinder werden per Roller zur Schule gebracht. Frau Yang, Shichao's Oma, ist sehr stolz auf den Roller "er ist günstig und praktisch und man darf ihn fast überall parken", erklärt sie. Zwischen 30 und 50 kmh schaffen diese Scooter. Vor ein paar Jahren hat die Regierung angeordnet, dass nur noch Elektroroller auf den Strassen fahren dürfen. Das findet Frau Yang auch gut, denn seitdem ist die Luft besser und inzwischen habe sich auch alle Verkehrsteilnehmer daran gewöhnt, dass man die Roller nicht hört.

Aufgeladen wird der Roller über Nacht. Dafür wird der tragbare Akku mit in die Wohnung genommen und an einer Steckdose aufgeladen. Das ist Opa's Job.

Über 25 Mio Elektroroller werden jährlich in China verkauft. Tendenz steigend. Das sind mehr als Autoneuzulassungen. China hat das Batteriezeitalter also schon längst eingeläutet. Was auch eingeläutet wurde, ist das Zeitalter der Verkehrsregeln-beachten. Frau Yang ist darüber nicht ganz so erfreut: "ich habe schliesslich keinen Führerschein und kenne die Verkehrsregeln gar nicht", sagt sie. Das wird sich bald ändern, denn es gibt immer mehr Kameras und Verkehrspolizisten auf den Strassen, die darauf aufpassen, dass Regeln besser befolgt werden. Auch von rollerfahrenden Omas und Opas, die ihre Enkel zur Schule bringen.

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