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05.02.2021

MM - Jan’s Anekdote

Jan’s Tage in Shanghai sind gezählt. Am Mittwoch geht es zurück nach Hause in die Tschechische Republik. Dann sind seine 3 Jahre im Kundendienst-Technik hier vorbei. Wir hatten so gut wie kaum etwas miteinander zu tun, aber ich mag ihn: ehrlich, geradeaus ... und so anders als Vertrieb- und Marketingleute, eben ein Techniker.
Er berichtete vom Chaos seiner Rückreiseplanung: alle 2 Tage wechselten die Auflagen, um nach Tschechien einzureisen, denn die Regierung erlässt ständig Interim Regelungen und hat vor 3 Tagen entschieden, alle Länder außerhalb Europas auf die ‘Dunkelrote Covid-Länderliste’ zu setzen, inklusive China. Auf einmal also PCR- und Antikörpertest, die als Dokument in englischer Sprache vorzulegen sind, was China aber nicht ausstellt. Das Hin und Her war unbeschreiblich und ich erspare es den JTEBS LeserInnen. Jetzt wird er wahrscheinlich in Deutschland einen Zwischenaufenthalt machen, denn für Deutschland ist China ein sicheres Land und dann dort die erforderlichen Tests machen. Seine Familie ist schon seit letztem Februar wieder in Mlada Boleslav, worauf ihm hier in China das Gehalt nach 3 Monaten gekürzt wurde und er auch aus dem Haus ausziehen musste, weil das Budget für eine Person eben viel geringer ist als für 4.

Hier aber seine China-Anekdote, nach der ich ihn beim heutigen Abschlusslunch im Biergarten (ja, so heisst das Restaurant wirklich und ist ganz deutsch-rustikal eingerichtet) befragt hatte:

Jan hatte am Flughafen mal sein Flugticket verloren. Zum Glück bemerkte er es noch vor der Sicherheitskontrolle und ging zurück zum Eincheck-Schalter. Was passierte dann? Die freundliche Dame gab seine Passnummer ein und schwupps, erschienen auf dem Bildschirm mindestens 20 Bilder von ihm, wie er durch das Flughafengebäude läuft. Er hatte das Ticket in seiner Hosentasche, so dass die ersten 6 Bilder zeigten: das Ticket war noch da. Dann ging er auf die Toilette, immer noch da. Ok, von der Toilette selbst, gab es kein Bild, aber 2 Fotos später, war das Ticket auf einmal nicht mehr in seiner Hosentasche zu sehen. Aha, der "Ort des Verlierens" war damit eingegrenzt. Die freundliche Dame griff zum Telefon und rief jemanden an. 10 Minuten später kam ein Aufpasser und brachte Jan sein Ticket zurück. Überwachungskameras sei Dank...

03.11.2020

eine kleine Geschichte: Hilfspolizist

Eine kleine Geschichte von Herrn Huang, dem Hilfspolizisten

Herr Huang ist kein echter Polizist, aber von der Polizei angestellt. Sein Arbeitsplatz ist ein Überwachungsbus. Seine Aufgabe: Auffälligkeiten melden, die er auf den Monitoren entdeckt.
Foto: 
Es ist kein schwieriger Job und Herr Huang ist sehr froh über diese Arbeit, denn er kann sitzen, was für seine inzwischen müden Beine gut ist. Herr Huang ist bereits über 70, hat nie eine Ausbildung gemacht, aber war bei der Stadtregierung in vielen verschiedenen Bereichen beschäftigt.
Darauf ist Herr Huang sehr stolz. "Ich wurde immer geschätzt, weil ich sehr hart und zuverlässig gearbeitet habe. Eigentlich habe ich bereits das Rentenalter erreicht, aber als ich gefragt wurde, ob ich diesen Überwachungsjob machen kann, habe ich natürlich ja gesagt."

Es ist ihm Pflicht und Ehre zugleich, das merkt man Herrn Huang sofort an. Ob es nicht anstrengend ist, den ganzen Tag auf Bildschirme zu gucken, will ich von ihm wissen. "Nein, überhaupt nicht", kommt wie aus der Pistole geschossen zurück und ich überlege, wo wohl neben den Kameras die Mikrophone hängen. Aber Herr Huang meint es so: er hat den ganzen Tag ein Dach über dem Kopf, der Wagen ist klimatisiert, er kann sitzen und, sollte ihm doch mal etwas entgehen, haben die Kameras ja alles aufgezeichnet.

Einen Blick hineinwerfen darf ich aber nicht. "Es ist nicht aufgeräumt", entschuldigt sich Herr Huang verlegen. Als sich die Tür später kurz öffnet, lässt sich vermuten, dass es ein normales, aber mobiles Büro mit Bildschirmen ist und dass Herr Huang inzwischen aufgeräumt hat.
Foto: geöffnet


21.08.2020

Disziplin

Es ist vollbracht. An Hauptverkehrskreuzungen und Überwegen herrscht jetzt Disziplin. Menschen eilen über Fußgängerkreuzungen, wenn der Sekunden-Countdown der Ampel losgeht oder bleiben stehen, wenn sie merken, dass sie es nicht mehr bei grün schaffen. Rechtsabbieger lassen Fußgänger erst passieren und sind nicht mehr der Meinung, sie haben immer Vorfahrt. Mopedfahrer steigen ab und schieben auf Fußgängerwegen. Entgegen Einbahnstrassen fahren ist auch selten geworden.
Bildunterschrift hinzufügen
Ab und zu gibt es immer mal wieder verstärkte Polizeipräsenz, besonders zu den morgen- und abendlichen Pendlerzeiten. Strafzettel werden sofort ausgestellt, per Handy, das per Foto den Verkehrssünder dokumentiert und sofort per WeChat oder Alipay die Strafe kassiert und ggf. Sünderpunkte verteilt.
Und ja, die Ampel-Kameras, die die Verkehrssünder auf dem Monitor zeigen, haben natürlich ihr übriges dazu beigetragen. 
Gestern habe ich beobachtet, wie ein älterer Mopedfahrer einen Polizisten angesteuert ist, um zu fragen, wo er lang fahren darf. Undenkbar vor ein paar Monaten.

09.01.2020

üblicher Anblick

Wenn man ein wenig auf China's Strassen oder Schienen unterwegs ist, fällt immer wieder der grosse Bau-Boom auf: überall Kräne - und sind es mal keine Kräne, sind es riesige Hochspannungsmasten. Auch üblich (leider): das stets diesige Wetter.
Foto: Bauboom und diesig
Zum Bauboom könnte man auch die ständig wachsende Zahl an Kamerainstallationen zählen: über Strassen, an Kreuzungen, Ab- oder Auffahrten, öffentlichen Plätzen, in und an Gebäuden...
Foto: Kameraboom auf den Strassen
Aber auch die Gärtnerein müssen boomen, denn es wird sich sehr bemüht ein paar Farbtupfer zu integrieren :)
Foto: Blumenbepflanzung auf den Hochstrassen


30.06.2019

Russian Arm

Der ukrainische Ingenieur Anatoliy Kokush entwickelte in den 1980ern ein seinerzeit „Autorobot“ genanntes System, das aus einer Halterung besteht, die auf einem Kamerawagen (Auto, Boot, Zug oder anderes beweglichen Fortbewegungsmitteln) montiert wird. Auf der Halterung ist ein aus Karbonmaterial gefertigter, elektrisch steuerbarer, 4-6m langer Kranausleger befestigt, an dem wiederum an einem eigens steuerbaren Arm eine elektronische, gyrosstabilisierte Kamera (Flight Head) befestigt ist, die auch bei höchst unruhigen Bedingungen stabile Bilder liefern kann.
Foto: Russian Arm
Die gesamte Apparatur wiegt ca. 180kg; sie kann bis zu einer Geschwindigkeit von 150km/h eingesetzt werden. Kran und Kamera werden mittels Joystick oder Kurbeln vom Kamerawagen aus bedient. Die Technik gelangte anfangs der 1990er nach Hollywood und erhielt dort den Kosenamen „Russian arm“. Kokush wurde 2006 für seine Entwicklung mit zwei Oscars für „Scientific and Engineering Award“ geehrt https://filmlexikon.uni-kiel.de/lexikon. Ich bin gespannt, wann er endgültig von Kamera-Dronen abgelöst wird. Wir hatten natürlich beides beim Dreh dabei.