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22.03.2020

erste Woche Heimquarantäne

Die erste Woche Heimquarantäne ist nun um. Es klappt gut, obwohl wir natürlich das Rausgehen vermissen, denn wir haben in unserer Wohnung weder Garten noch Balkon (aber dafür Aussicht vom 23. Stock). Zum Glück war die Luft diese Woche an 3 von 6 Tagen gut mit frischem Wind, bei 8-20 Grad, so dass wir auf Durchzug schalten konnten. Don't give upHang in there. Eine Woche noch Durchhalten.
Foto: so lässt es sich aushalten, oda?
Die coole Yogamatte aus Bondi ist viel im Einsatz. Neu für sie: sie wird als "Maschier-Teppich" genutzt: 5.000 Schritte sollte mindestens das Ziel pro Tag sein.
Foto: Wochenend-Laufweg-Tracking :)
Home office ohne Zeitzonen-Differenz ist definitiv besser und nun kann ich endlich auch meinen Computer wieder nutzen - die Zeit des "mobile phone only" ist vorbei. Trotzdem ist die Mitarbeit schwerer geworden, denn inzwischen ist hier der Büroalltag wieder eingekehrt mit vielen live Meetings, zu denen man sich nicht mehr so einfach per Telefon dazu schalten kann.
Aber egal, das sind ja die Vorteile der Arbeit in einem Joint Venture: es gibt eine komplette chinesische Mannschaft/Frauschaft, die eigentlich allein entscheidet und umsetzt. Die westliche Seite versucht zwar, Richtungen mit vorzugeben, fragt nach, bremst, fordert und kann Nein sagen, aber es läuft auch ohne uns.
Foto: was wir vermissen: Waldlufttanken
Foto: viele lustige Sprüche in den sozialen Netzwerken

26.12.2019

kein Feiertag

Feiertage sind Reisetage in China, denn sie werden meist genutzt um von der Stadt nach Hause oder in den Urlaub zu fahren. Da ist überall extra viel Geduld angesagt, was aktuell nicht nötig ist, denn Weihnachten sind ja hier keine Feiertage.
Foto: Anstehen um auf den Bahnsteig zu kommen
Bevorzugtes Verkehrsmittel innerhalb Chinas ist der Zug, der aus den riesigen flughafenähnlichen Bahnhöfen rollt. 15min vor Zugankunft und gleichzeitig -abfahrt versammelt man sich vor dem Gate und darf dann runter auf den Bahnsteig gehen.
Seit November gibt es eine Neuerung: man benötigt kein Zugticket mehr, sondern der Reisepass bzw. bei Chinesen die ID-Card, reicht aus und wird am Gate einfach gescannt. Das erspart erhebliche Wartezeiten an Automaten oder Schaltern. Und die Pass-/ID-Daten musste man eh beim Buchen angeben.

Wer mehr JTEBS Lust hat, hier noch ein bisschen mehr zu China's Wirtschaftswunder "Hochgeschwindigkeitszüge":

Mit dem schnellsten Zug (Fuxing) benötigt man für die 1.300 km von Shanghai nach Beijing 4,5 Stunden.Vor zehn Jahren hing China noch von ausländischem Know-how ab, um diese Schnellzüge zu bauen - heute bauen sie allein. Frühere Fuxing-Modelle basierten auf ausländischer Technik, etwa von Siemens oder Alstom. Doch inzwischen hält Chinas staatliches Bahntechnikunternehmen CRRC alle nötigen Patente selbst. Das erleichtert natürlich auch den Export. Damit ist der Fuxing eine echte industriepolitische Leistung und China hat damit die einstige Weltmarktführer des Eisenbahnbaus in Europa, Japan oder Nordamerika abgelöst - obwohl es noch vor 15 Jahre selbst in Sachen Bahn ein echtes Entwicklungsland war.

Die Staatsführung legten damals großen Wert darauf, dass die Züge allesamt in China produziert wurden. Siemens, Alstom, Bombardier und Kawasaki - sie alle durften nur unter der Bedingung ins Land kommen, dass sie mit chinesischen Partnern in einem Joint Venture kooperieren und machten alle mit. China erhielt auf diese Weise Zugriff auf die komplette Technik - und lernte rasch. Die "Entwicklungshelfer" von damals beschweren sich zumindest nicht offiziell, denn sie verdienten gut daran. Wie viel Siemens-Technik heute noch im Fuxing steckt, gibt CRRC nicht bekannt. "Als weltweit führender Anbieter von Komponenten für Hochgeschwindigkeitszüge in China haben wir hochwertige Traktionssysteme für CRH3-Hochgeschwindigkeitszüge geliefert" – das bedeutet alles und nichts www.zeit.de/wirtschaft/2019-09/hochgeschwindigkeitszug-china-fuxing-crrc-zugverkehr.

Heute verfügt China mit mehr als 20.000 Kilometern Länge über das größte Hochgeschwindigkeitsnetz der Welt. Bis 2030 sollen weitere 10.000 Kilometer hinzukommen.
Foto: Feiern ohne Feiertag

14.09.2019

eigene Automarke

Seit Ende letzten Jahres ist der Modelname Jetta in China zu einer eigenen Automarke avanciert, die mit günstigen Autos junge Kunden anlocken will. Gemeinsam mit dem chinesischen Joint Venture Partner FAW aus Changchun sollen Fahrzeuge unter 10.000 Euro bis 15.000 Euro angeboten werden. Zunächst werden eine Limousine und zwei SUVs in Chengdu gebaut, die sich als neue Wettbewerber zu den lokalen Herstellern wie Geely, Chery, BYD oder Changang positionieren sollen, die etwa ein Drittel des chinesischen Marktes ausmachen. Dumm nur, dass bei dem Jetta Brand Business Case auch eine Substitutionsrate von 50% zu Skoda SUVs unterstellt worden ist. Etwas, was uns scheinbar erst vor kurzem mitgeteilt wurde.
Foto: Stirnrunzler ...
Die potenziellen Jetta-Kunden sollen junge, selbstbewusste familienorientierte Menschen zwischen 25 und 35 Jahren sein (= unsere Zielgruppe), "Jetta" soll dabei keine 13. Konzernmarke sein, sondern eine Untermarke von Volkswagen in China werden. Zur Shanghai Autoshow trat sie aber ganz allein und eigenständig auf. Schauen wir mal ...www.handelsblatt.com/kommentar-die-neue-automarke-jetta-ist-ein-grosses-wagnis-fuer-vw

30.07.2019

expat diversity

Unsere "Ausländer-Vielfalt" im Skoda Joint Venture ist recht gross: Tschechien, Franzosen, Kanadier, Engländer, Südafrikaner, Argentinier, Österreicher, Deutsche. Leider nimmt die Anzahl der Stellen immer weiter ab, eine Vereinbarung aus 2016, vermutlich zur Kosteneinsparung und weil nicht klar ist, was die Rolle der Ausländer im JV zukünftig sein soll. Kürzlich haben wir verabschiedet: den Franzosen Jean-Luc und den Engländer Gerald, beide sprechen übrigens hervorragend Deutsch. Demnächst geht der Kanadier Bruce und dann stehen bald die meisten Tschechien auf der Rückkehrerliste für das 1. Halbjahr 2020. Schade.
Foto: Verabschiedung, von links: Gerald (Produkt), Patrik (Verkauf), Jean-Luc (Training)

23.12.2018

Little John

John ist mein Partner, sozusagen meine chinesische Marketing Kommunikation Hälfte. Ehrlich gesagt, macht er viel mehr als 50%, denn Umsetzung und Administration ist mehr in chinesischer als westlicher Hand. Und da Chinesen echte und vor allem schnelle Umsetzungsweltmeister sind, während wir Westler noch planen, diskutieren und abstimmen wollen, beschränkt sich die westliche Rolle oft auf's Nein-Sagen, mehr Details fordern oder Abstimmung mit den westlichen Zentralen (davon haben wir übrigens 2, eine in Mlada Boleslav und eine in Beijing, die sich aber auch wenig abstimmen). Ich habe beschlossen, nach einem neuen, eigenen Weg zu suchen, wie man in einem Joint Venture/Gemeinschaftsunternehmen sinnvoll zusammen arbeiten kann. Deshalb habe ich mit John gar nicht so viel zu tun, denn wir stimmen uns wenig vorher oder nachher ab, sondern sitzen zusammen in Meetings und freuen uns, dass wir oft einer Meinung sind, wenn es um Kreation geht. So ist inzwischen ein gegenseitiger Respekt entstanden - ohne dass wir dafür hart gearbeitet oder gekämpft haben oder uns gegenseitig "Zeit rauben". Ich will nicht alles vorher wissen und auch nicht kontrollieren, sondern berate oder inspiriere eher, schaue was im nächsten Meeting dabei rausgekommen ist und ärgere mich nicht, wenn es in eine andere Richtung gelaufen ist, sondern schaue einfach erneut drauf, was man machen kann. Und das dann in den grossen und echt vielen Meetings, die wir zusammen haben. An den Meetings nehmen auch immer die Chefs "über uns" teil, die am Ende erstmal alles entscheiden, bevor es in die nächste Chefrunde geht und vielleicht alles anders entschieden wird. Dass ich so agiere, schätzen John und sein Chef FuQiang und immer häufiger starten Meetings erst, wenn ich da bin oder werden sogar so gelegt, dass ich da bin. Und das ist ein echter erster Erfolg. Ausserdem wird es inzwischen auch als gemeinsame Rolle gesehen und John weiss, dass er helfen muss, wenn wir an das HQ (headquarter)/Zentrale berichten sollen.
John hat Temperament, Humor und Leidenschaft. Er ist impulsiv und das Gegenteil von einem Strategen und gibt auch zu, dass er vieles macht, weil er es einfach gut findet. Das macht ihn für andere auch oft schwierig. Aber er hat auch langjährige Erfahrung, weiss was funktionierte und hat ein grosses "Netzwerk".
Foto: auf dem Stuhl

Sein Weihnachtswichtel Geschenk war eine teure Damen-Halskette, deshalb musste er auch 2x neu in den Losbeutel greifen, um eine "Dame" zu ziehen. Die war dann so gross, dass er wiederum auf einen Stuhl klettern musste, um beim Ummachen zu helfen. Auch das ist John. Und er mag auch meine lustigen Avatar Bilder, die ich per Wechat öfter verschickt, aber dazu vielleicht ein anderes Mal.
Foto: little Tini Zmoji Avatar