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29.01.2019

[CHN vs KOR] - Motor-Dreirad

Maya, meine Sekretärin, war über Neujahr im Urlaub in Indien, was ein ungewöhnliches Ziel für Chinesen ist, denn Indien wird als gefährlich, dreckig, ineffizient und chaotisch eingestuft (aber eine Freundin dort hat geheiratet und Maya ist ambitionierte, orientalisch-indische Bauchtänzerin). Sie kam wieder voller Eindrücke, besonders vom Strassenbild, denn es laufen dort noch so viele Menschen mit Handkarren herum, es gibt Pferde- oder Ochsengespanne, frei herum laufende Kühe etc. Da musste ich schmunzeln und erzählte ihr, dass es im Vergleich zu Seoul auch in Shanghai noch ganz anders zu geht. Denn Fahrräder findet man in Seoul auf den Strassen gar nicht mehr und auch die Anzahl der Motor-Zweiräder ist sehr begrenzt. Dreiräder wurden auch längst von Mini-LKW, -bussen oder Taxis ersetzt. Aber das macht ja auch den Charme eines Landes aus: Vielfalt.
Foto: Tricycle

13.11.2018

first impressions_Office

Der erste Tag im Büro ist nun schon ein wenig her, aber noch gut in Erinnerung, denn sehr typisch: erst einmal bei der Personalabteilung melden. Da war schon recht grosser Andrang, denn Frau Shu erzählte hinterher: 6 Expats haben neu angefangen. Also erst einmal irgendwo warten. Besucherecke oder -zimmer Fehlanzeige, aber es war ein Stuhl frei in einer Mischung aus Abstellkammer, Pausenraum, Getränkelager und Brutkasten (es waren noch 27 Grad Aussentemperatur Anfang Oktober) mit dem Schild "meeting room". Bei Frau Shu ging es dann ganz schnell: danke für die polizeiliche Anmeldung (muss man innerhalb der ersten 24 Stunden machen) und hier der Werksausweis - für den Rest ist sie nicht zuständig, das muss das Sekretariat machen. Alles klar.
Der Werksausweis ist mit 400 RMB Essenszuschuss ausgestattet, der am 14. des Monats verfällt (manchmal auch eher, je nach Werkstag), also Achtung, wenn man sich selbst etwas drauf lädt, das verfällt dann nämlich auch. Findet Frau Shu auch doof. Wurde auch schon oft bemängelt. Lässt sich aber nicht ändern. Jedenfalls nicht bei Expats. Chinesische Kollegen jedenfalls war das Thema unbekannt als ich sie fragte.
Foto: Yutian Building, Anting
Weiter zum Bürogebäude, was für Skoda Sales, Marketing & Netzwerk ausserhalb des Fabrikgeländes in angemieteten 3 Etagen liegt. Die Kollegen von Aftersales/Kundendienst sitzen wieder woanders. Wie gut dass ich Mr Jin habe, der mich überall hinfährt und weiss wo was ist.

Der erste Eindruck des Bürogebäudes liess hoffen: vielleicht gibt es in Anting ja doch ein paar moderne Büros. Aber wie oft: aussen "blink-blink", ganz schick und innen fehlt es dann an Details, Qualität, Geschmack oder Geld oder vielleicht allem. Die Eingangshalle ist jedenfalls sehr großzügig. Auf einer Seite gibt es ein Café namens Buffer (über Namen wundere ich mich nicht mehr, meist "klingt es einfach gut"), das unerwarteterweise guten Kaffee hat! Auf der anderen Seite geht es zur Kantine. In beiden kann man mit dem Werksausweis zahlen. In der Kantine war ich noch nicht oft, aber man bekommt dort z. B. eine Nudelsuppe für 15RMB, umgerechnet 2 Euro. Sie kostet damit halb soviel wie ein Cappuccino im Buffer Cafe für 29RMB, wo ich schon sehr oft war. Sozusagen täglich.
Foto: Eingangsbereich
Denn wenn ich morgens zwischen 8:45 und 9:30Uhr (je nach Verkehr) endlich am Office ankomme, sind mir die Preise aber ganz egal. Ich brauche meinen Kaffee. Lechz!

14.10.2018

first impressions_Gesundheitscheck

Ich habe zwar bereits das richtige Visum zum Arbeiten in China, aber es fehlt noch die Arbeitsgenehmigung. Warum: weil man einen Gesundheitsscheck in China machen muss, bevor man diese beantragen kann. Blut, EKG, Aids, Röntgen,... keiner wusste genau, ob die Untersuchung, die bei VW gemacht wurde, anerkannt wird. Na gut.
Foto: Anstehen
Mr Jin holte uns am ersten Mittwoch um 7:45 Uhr ab und fuhr in eine Klinik, die scheinbar darauf spezialisiert ist, die Untersuchung zu machen, denn es herrschte Massenabfertigung und schon um 9:00 viel Andrang.
Kein Ausländer kam ohne chinesische Betreuungsperson, die die Formulare trägt, sich anstellt, klärt, spricht, sagt, wo man als nächstes anstehen muss oder sich setzen soll.

Anstehen Nr. 1: Empfang - die Formulare waren von der Agentur schon vorausgefüllt. Praktisch. Also nur noch 3 Passfotos dazu, Reisepass zeigen, hier und hier und hier unterschreiben und in die Kamera lächeln, Formulare, Namens-Sticker und Nummer mitnehmen.

Anstehen Nr 2: Arztgespräch - nicht wirklich ein Gespräch. Denn ausser "good morning" hat man nicht viel gesagt, sondern die Formulare wurde angeschaut, die VW Ergebnisse kritisch angesehen, Stempel drauf und entschieden: Es reicht Röntgen (innerlich: kleines Tänzchen :). Das alles bei geöffneter Tür und Durchsichtfenster.

Anstehen Nr. 3: eine energische junge Krankenschwester, die auch im Gefängnis arbeiten könnte, kommandiert einen ins nächste Zimmer: Ausziehen, hier Schlüssel für Schrank um die Sachen reinzutun, hier Bademantel anziehen, hier Formulare selbst tragen. Zimmer 109 weiter.

Anstehen Nr. 4: Röntgenzimmer. Mit Bademantel ran stellen. Einatmen. Danke. Zimmer 111.

Anstehen Nr. 5: Eine junge Krankenschwester sitzt vor Spritzen und Kanülen gebeugt mit dem Rücken zur Tür. Oh. Ok, aber sie hatten ja gesagt kein Blutabnehmen, vielleicht wird hier eine Fingernagel- oder Haarprobe für DNA Test entnommen??? Mich würde hier nichts wundern. Nein, Versehen. Ich kann wieder gehen und meine Sachen holen. Auf dem Gang sieht man jede Menge kopfschüttelnde Ausländer im Einheitsbademantel, die sich alle sichtlich unwohl fühlen, so abgefertigt zu werden. Für Chinesen ist das wahrscheinlich aber ganz normal, denn nur so kann man wohl "Massen bewältigen".

Wir sind fertig. Weiter geht's zur Führerscheinstelle, wo wir wohl auch etwas beantragen und ganz bestimmt viel Anstehen müssen.

13.10.2018

first impressions _ die Fahrt zu Arbeit

Die erste Arbeitswoche ist um und heute gibt es mal einen Blogeintrag mehr im Langtextformat als Bilderformat.
Foto: Zur Arbeit 60-75min (bisher)
In China muss man einen Führerschein machen - eine theoretische Prüfung, die es in sich haben soll, zum einen weil Regeln anders sind aber zum anderen weil die englische Übersetzung so bescheiden ist, dass die Multiple Choice Fragen eher zum Rätselraten sind. So lange man den lokalen Führerschein nicht hat, darf man nicht Auto fahren. Punkt. Streng. Klar. Denn man würde sogar direkt ins Gefängnis wandern, wenn man trotzdem fährt und erwischt wird.

Deshalb kommt jetzt jeden Morgen Mister Jin zum Abholen. Das ist nicht schlecht, denn so komme ich wenigstens an. Mr Jin ist ein routinierter Fahrer, sehr pünktlich, schlawinert sich gut in Warteschlangen und finden immer einen Weg mit Parkwächtern um dort kurz zu warten, wo parken eigentlich nicht erlaubt ist. Er kann prima "Ok, Ok" , "good morning" und "bye-bye" sagen, hat natürlich WeChat (das chinesische WhatsApp mit viel mehr Funktionen) und damit haben wir alles, was wir zur Verständigung brauchen.

Je nachdem was wir am Abend zuvor vereinbart haben, steht er morgens um 7:45, 8 oder 8:15 Uhr vor unserem Apartmentkomplex. Ein grauer US Passat, Langversion. Skoda kann sich keine eigene Fahrdienstflotte leisten und wir gehören ja schliesslich zur SAIC Volkswagen. Mr Jin hat ein sehr freundliches Gesicht, das bisher immer lacht und sich freut, weil ich pünktlich bin und ihn in keine "Warte-Bedrouille" bringe. Ein guter Start. Und die ersten 12-17min geht es durch das französische Viertel mit kleinen Strassen, Bäumen und viel zu gucken.

Leider raucht Mr Jin, was ich zwar noch nie gesehen habe und er tut es natürlich auch nicht im Auto, aber man riecht es. Morgens wenig, abends stark. Soll ich gleich mal meckern? Wahrscheinlich bekommt Mr Jin dann nur Ärger und die Wahrscheinlichkeit, dass es alle Fahrer so machen, ist gross. Also: erstmal nicht meckern, Fenster ein wenig runter, Luft reinlassen, nicht so viel auf's Phone während der Fahrt gucken (da wird's einem sonst schlecht) und abwarten. Geduld, die ich ja eigentlich nicht so habe, ist eine Tugend und - das ist mir nach der ersten Woche klar - eine überlebensnotwendige Eigenschaft für China.

Nach 12-17min geht es auf eine der Ringstrassen, eine Hoch-Schnellstrasse - und dann wird es eher langweilig zum Gucken: graue Hochhäuser, schon recht dicht bis zäh fliessender Verkehr, rechts und links Strassenwände. 3-4 Mal geht's rechts ab von der Schnellstrasse - und da wird es bestimmt kompliziert, wenn ich das erste Mal allein fahren muss. Mit Mr Jin ist alles kein Problem.

Nach 50-70min erreichen wir zum ersten Mal eine Toll-Station, wo ein Ticket gezogen werden muss. Dann ist die Abfahrt nach Anting aber schon nicht mehr weit und die Autobahngebühr für das Stück kann nicht viel sein - ich habe aber noch nie erkennen können, was Mr Jin eigentlich zahlt.

10min später, also nach insgesamt 60 bis 80min steht der graue Passat, Langversion, von Mr Jin dann mit mir vor unserem Bürogebäude und ich kann direkt davor aussteigen. Praktisch. Auf dem Telefon habe ich die Uhrzeit geschrieben, wann er mich am Abend wieder abholen soll. Dann aber am Hintereingang, wo er besser warten kann.

Es sind eigentlich nur ca. 30km von Shanghai Innenstadt nach Anting im Westen von Shanghai, aber zu den Stosszeiten dauert es. Anting ist die "Autostadt" von Shanghai, denn dort wird gebaut. Es ist die Zentrale der SAIC Motor Corporation Ltd. Früher stand SAIC schon für Shanghai Automotive Industry Corporation. Jetzt wirkt der Name etwas doppelt-gemoppelt, aber dafür gibt es bestimmt einen triftigen Grund. Die SAIC baut nicht nur Volkswagen (seit 1985) und Skoda (seit 2006) hier, sondern hat auch Gemeinschaftsunternehmen (Joint Ventures) mit GM, Baojun, Buick, Chevrolet, Iveco, Wuling, Volvo und eigene Exklusivmarken mit Maxus, MG, Roewe und Yuejin.
Foto: ca. 30km

Um 9 Uhr kommen viele Kollegen ins Büro, deshalb staut es sich gleich an den Fahrstühlen. Besser also etwas später hoch und vorher einen Kaffee im BuffersCafe im Erdgeschoss trinken. Er schmeckt sogar richtig gut und kann mit dem Werksausweis bezahlt werden, wo jeden Monat ein Guthaben von 400 RMB (ca. 50 Euro) automatisch aufgeladen wird. Der Essenszuschuss sozusagen. Wird er nicht genutzt, so verfällt das Guthaben, zumindest ist das bei den Expats so, den Ausländern im Unternehmen.
Im Cafe trifft man meist schon ein paar dieser Expat-Kollegen. Wahrscheinlich weil alle ihr Guthaben aufbrauchen wollen. Denn das Kantinenessen soll nicht besonders gut sein. So wird gesagt, was  ich selbst noch nicht beurteilen kann, denn ich war die ganze Woche nicht essen. Es gab über Mittag immer Termine, die dann zwar meist doch nicht stattgefunden haben, aber das kann man in der ersten Woche ja noch nicht wissen.

Die Expat-Kollegen sind übrigens fast alle aus Tschechien - ich kenne sogar noch viele! Erstaunlich, denn es sind ja auch schon wieder 10 Jahre her, dass ich in Mlada Boleslav gearbeitet habe.
Die Volkswagen Kollegen sitzen in einem anderen Gebäude, was ich ehrlich gesagt nicht schlecht finde, denn der erste Eindruck ist jetzt schon, dass Volkswagen die übermächtige Mutter ist, von der die kleine Tochter Skoda sehr abhängig ist. Ein bisschen Distanz ist da nicht schlecht. Und per Auto sind es keine 10min. Das weiss ich nicht etwa, weil ich die Kollegen schon besucht habe, sondern viel mehr weil ich gleich am 2. Tag ein Bankkonto eröffnet habe und die Bank sich dort befindet, wo Volkswagen seinen Vertrieb und Marketing hat.