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16.09.2015

schmal und tief

Die Architektur vietnamesischer Häuser soll etwas mit der Sonne zu tun haben. Verblüffend schmal wirkt das typische Stadt- oder Familienhaus: Hinter der sehr schmalen Front streckt sich das Haus lang nach hinten. Der Stil ist Jahrhunderte alt und hatte ursprünglich mit der Ladensteuer zu tun, die in den mittelalterlichen Innenstädten von der Größe der Ladenfront abhängig war. In den dicht gedrängten Großstädten ist das verständlich - unser Hotel war auch ganz schmal und lang, die Zimmer fensterlos.
Foto: ein-Zimmer-breite-Häuser
Aber auch außerhalb der engen Stadt sieht man die langen Schlauchhäuser oft ganz frei herumstehen - mit verputzter Fensterfront, aber grauen, fensterlosen Seiten. Als würden sie auf Nachbarreihenhäuser warten, die niemals gebaut werden. JTEBS bzw. Spiegelleser wissen mehr www.spiegel.de/reise/fernweh/vietnam-tricks-der-sonnenfluechter: Hier geht es weniger um Steuern als um Licht. Schmale Reihenhäuser sind praktisch – sie brauchen nur an der Front Fenster. Mehr will man gar nicht.

Denn eigentlich will man gar kein Licht im Haus. Es ist sinnlos, einen Großstadt-Vietnamesen morgens nach dem Wetter zu fragen, wenn er noch nicht den Wetterbericht gesehen hat. Fenster öffnen – wozu? Findet auch Tam Nguyen, eine Geschäftsfrau, die den Sonntag zu Hause verbringt. Sie liest. Die Fensterläden sind alle geschlossen. Draußen scheint schließlich die Sonne. Das Haus ist abgedunkelt, drinnen brennt nur das Neonlicht.

Die Neonröhre ist überall verbreitet, auch da, wo man sie als Deutscher nicht vermuten würde, nämlich vor allem in den Wohn- und Schlafzimmern. Andere Lampen hängen hier eher als Staffage. "Neonlicht ist schön", sagt Nguyen, "es wirkt angenehm kalt." Das gilt für die gesamte Einrichtung: Statt Polstermöbel (viel zu warm) setzt man auf Wohnzimmersofas aus Holz. Die fehlende Isolation sorgt dafür, dass einen im nordvietnamesischen Winter schon bei zehn Grad Celsius nur dicke Pullover und Daunendecken retten. Das Radio läuft. Ein Nachrichtensprecher sagt: "Morgen wird das Wetter besser. Wolkig und kalt."

28.08.2014

old stilt houses

Die ältesten Stelzenhäuser in Tai O haben eine runde Dachform und sind mit Blech verkleidet. Inzwischen sind die meisten mit Klimaanlagen ausgestattet und wurden von Generation zu Generation optimiert und erweitert. Neue Genehmigungen für weitere Stelzenhäuser werden von der Regierung nicht erteilt. Es stehen inzwischen viele leer, denn sie dürfen nur an die nächste Generation weitergegeben aber nicht verkauft werden.
Foto: das älteste Stelzenhaus von Tai O (links) 
Foto: Semi-Stelzenhaus (halb auf Land/halb im Wasser)

07.06.2014

2,5 days in Brussels

Meine letzte Dienstreise im Mai ging nicht nach Wolfsburg, sondern Brüssel und Berlin. Ich war ganz begeistert von Brüssel. Nun ja, das Wetter spielte definitiv eine entscheidende Rolle, aber die Stadt fühlte sich so herrlich europäisch an: alte Fassaden, große Plätze, Kirchen, Traditionen (insb. Pralinen, Bier und Waffeln) und Menschen mit guter Laune, weil die lang ersehnte Sonne schien.
Foto: Brüssel, can the sky be any bluer?
Foto: Kathedrale, so Europe!
JTEBS durch eine Stadtführung: Belgier mögen es individuell - tatsächlich gleicht kein Haus dem anderen.
Foto: Stadtführung durch Brüssel


20.12.2013

Three sisters

Wir werden hier echt verwöhnt, mit Wetter und GTI zum Cruisen. Deshalb ging es gleich am zweiten Tag auf Tour in die Blue Mountains, etwa 100km entfernt von Sydney, zu den drei Schwestern, eine viel bewunderte Felsformation mit großer Bedeutung für die Aborigines.
Foto: 3 sisters in the Blue Mountains

JTEBS: Es sollen wirklich drei Schwestern gewesen sein. Die Legende besagt, dass 'Meehni', 'Wimlah' und 'Gunnedoo' vom Stamm Katoomba sich in drei Brüder eines Nachbarstammes verliebten. Eine Hochzeit zwischen den Stämmen sahen die Stammesgesetze aber nicht vor. Und als deshalb ein Kampf auszubrechen drohte, wurden die Schwestern vom witchdoctor in Stein verwandelt, als Schutz sozusagen. Leider wurde der Hexer bei dem darauffolgenden Kampf selbst getötet und konnte seinen Zauber nicht mehr rückgängig machen. Und so stehen sie nun immer noch dort.
Wem diese Geschichte nicht gut gefällt, der kann sich noch eine Alternativlegende durchlesen: www.bluemts.com.au/threesisters
Foto: Parken unter'm 'granny flat', unterwegs auf Australischen Autobahnen

06.03.2013

Reihenhäuser auf Australisch Teil 2

Ich nehme zur Zeit ja gern Aufträge und/oder Fragen entgegen: Wie sieht denn so ein terraced house von innen und grundrisstechnisch aus? war eine Frage. Zufällig haben wir uns gerade eines angesehen, was in Paddington zum Verkauf ansteht. Zugegebenermaßen liegt das Haus in einer Premium-Wohngegend, ist sehr luxuriös ausgestattet und in 2010 komplett neu renoviert worden, aber die 2,2 Mio. AU$ (=  1,7 Mio €) sind trotzdem breathtaking (atemberaubend). Quadratmeterzahlen spielen hier nicht so eine große Rolle: es werden bedrooms, bathrooms und Parkplätze gezählt:  

Foto: Luxus auf schmalem Raum in der Hopetoun St. in Paddington

Foto: www.realestate.com.au
www.realestate.com.au/property-house-nsw-paddington

28.02.2013

Reihenhäuser auf Australisch

In Paddington - wo ich gerade wohne - gibt es sie überall. Die schmalen Reihenhäuser (terraced houses) stammen aus der Viktorianischen und Edwardischen Epoche. (Aha. Wann war das gleich noch mal: Königin Victoria regierte von 1837 bis 1901, König Edward VII danach,1901-1914). Die moderne bzw. modernisierte Version wird auch häufiger als town house bezeichnet. Es gibt sie 1-, 2- sogar bis 5-stöckig, manchmal auch mit Souterrain. Dickes Mauerwerk hält sie auch im Sommer kühl. Weitere, häufige Merkmale: innen: schöner Stuck, ein alter Kamin mit Kaminsims zum Aufstellen von Familienfotos, enge steile Treppe nach oben; außen: kleiner Vorgarten, oft aber auch nur eine Treppe zur Eingangstür, schmiedeeiserne Balkone und Zäune, zusätzliche An- oder Neubauten für Garagen, Gartenhäuser oder granny flats (für liebe Omis oder eben Besuch wie mich). Und das alles wirklich auf schmalem Raum (roomie´s Haus in der Hargrave St. ist ca. 4m breit, dafür knapp 20m tief.) In Paddington sind sie inzwischen meist toll renoviert und teuer zu kaufen/mieten. Und so verschachtelt wie sie sind, passen sie gut in das hügelige Auf und Ab der Stadt, häufig mit schattigen Bäumen davor. 
Foto: Terraced Houses in Paddington, Balmain, Pyrmont 

Foto: zu fast jeder Street (Abk: St.) gibt es eine Lane (Abk: Ln), oft die 'Garagenstraße'