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25.06.2021

MM - super chicken

An der Autobahn-Maut-Bezahlstation saß heute eine Super-Henne, hihi. Ich habe angefangen, nochmal andere Routen zur Arbeit zu fahren, einfach so, um nicht immer die schnellste Staustrecke zu nutzen, sondern andere Ecken zwischen Zentrum und Anting (home of SAIC) zu entdecken. Lohnt sich nicht wirklich, aber zumindest gab es diesen heutigen Schmunzler. Der letzte Monat in Shanghai hat begonnen.




 

01.05.2021

MM - hot water

Vom 1.5. bis 5.5. haben wir hier frei, obwohl eigentlich nur der 1.5. offiziell ein Feiertag ist. Der Rest ist eingearbeitet = Arbeit am Wochenende bzw. weil der 1.5. ein Samstag ist, wird dieser tatsächlich nachgeholt. Wir sind wieder unterwegs nach Hangzhou. Mit Stop an einer Autobahnraststätte, wo es zumindestens Hot Water stets kostenlos für die mitgebrachte Thermokanne gibt. 



02.04.2021

MM - Stauwarner

Das Navi hatte ihn natürlich auch schon angezeigt, den Stau, aber dieses Mal gibt’s auf dem Standstreifen ein zusätzliches Warnfahrzeug mit grünem Laserstrahl, das das Stauende anzeigt.




04.08.2020

eine kleine Geschichte: Autobahngebühren

Eine kleine Geschichte von Frau Xu, der Mautkassiererin

Frau Xu's Schicht hat begonnen. Es ist 19 Uhr und sie freut sich, dass sie am manuellen Schalter startet, denn das ist abwechslungsreicher als am ETC-Schalter (electronic toll collection), an dem automatisch von der ETC-Karte heruntergebucht wird und man nur eingreifen muss, wenn es mal nicht funktioniert.
"Wir haben im Mai neue Computersysteme bekommen", erzählt Frau Xu "da klappte am Anfang gar nichts", denn die ETC Karten mussten neu programmiert werden und auch die automatische Nummernschilderkennung hatte ihre Macken. Es dauerte ewig bis das Foto auf dem Bildschirm erschien und das Nummernschild erkannt wurde." Aber wie oft in China wurde trotzdem eingeführt und riesige Warteschlangen vor den Schalten war das Ergebnis.

Auf die Frage, ob die Fahrer nicht sehr verärgert darüber waren, zuckt Frau Xu die Schultern und meint "natürlich war es nicht gut, so lange Staus zu haben, aber wir haben alle unser Bestes gegeben, hatten viel mehr Personal an den Stationen und zusätzliche Stände aufgebaut, damit Autos dort abgewickelt werden können, bei denen es nicht funktionierte. Die Fahrer waren alle sehr verständnisvoll', lobt sie. Auch für die Regierung hat sie viel Lob übrig, denn das System wurde Ende Mai eingeführt in einer Zeit, wo die Autofahrer wegen Covid19 keine Gebühren zahlen mussten. Das fand Frau Xu sehr gut, denn "die Autofahrer mussten zwar lange warten, aber haben nichts bezahlt."

Von Februar bis Mai wurden in China nämlich keine Autobahngebühren erhoben, damit der Verkehr dort, wo er fliessen durfte, so reibungslos wie möglich funktioniert, also Autofahrer nicht anhalten müssen. Gleichzeitig war es eine Massnahme, um Bürger und Transportunternehmen finanziell zu entlasten.

2 Wochen nach der Installation der neuen Kameras und Computersysteme klappte dann alles auch viel besser und das Prinzip "einfach erstmal machen und dann schnell nachbessern" hat mal wieder funktioniert. Jetzt sieht man sich und sein Auto auf einem grossen Bildschirm in den kleinen Schaltern der Mautstationen. Für manuelle Bezahler geht es dann sehr "NICHT-Hightech" weiter, denn man bekommt weiterhin eine dicke Plastikkarte in die Hand gedrückt, die man entgegennehmen und wieder abgeben muss. Warum? ist eine Frage die Frau Xu sich noch nie gestellt hat, es ist einfach so, die Karte muss ein-/ausgelesen werden (siehe Blogeintrag http://JTEBS/2019/autobahngebuhr)

Aus abrechnungstechnischen Gründen nutze ich meist immer noch die "manuelle" Spur, wo man einen Beleg bekommt. Der Preis für mein Autobahnstück zur Arbeit wurde von 10 auf 8 RMB gesenkt. Auch das findet bei Frau Xu viel Lob für die Regierung, denn es sollte nicht immer alles teurer werden. Bezahlt werden kann am manuellen Schalter per smartphone oder auch noch bar. "Warum immer noch so viele bar bezahlen?" frage ich Frau Xu. Sie überlegt kurz und meint dann, es könnte daran liegen, dass man sein Telefon aus dem Auto und vor den Scanner halten muss. "Das ist etwas unpraktisch", gibt sie zu und dauert sogar oft länger als die Barzahlung. Aber, sie hätte gehört, dass neue Scannergeräte geplant sind. Sagt sie und wickelt meine 2 Yuan Rückgeld-Münzen in die Quittung ein, damit sich bei der Übergabe nicht auf die Strasse fallen.

10.06.2020

eine kleine Geschichte: Abschlepper

Eine kleine Geschichte von Herrn Wang, einem Abschlepper.

Herr Wang ist Abschlepper, genauer Fahrer eines gelben Abschleppwagens, einem Tieflader und arbeitet für den Road Clear Rescue and Tow Service. Einen Großteil seines Dienstes wartet Herr Wang. Manchmal tut er es direkt an einer Autobahnauffahrt, manchmal an der Servicestation in Hongqiao. Natürlich freut sich Herr Wang eigentlich, wenn er nicht viel zu tun hat, denn das bedeutet, es gibt wenig Unfälle oder Liegenbleiber in seinem Bezirk. Andererseits, gibt er zu, sind die Tage besser, an denen er viel zu tun hat, beeilt sich aber hinzuzufügen, dass es in seinem Bezirk fast nur Blechschäden gibt. Die Autobahnen rund um den Hongqiao Bezirk sind nämlich meistens sehr verstopft und es geht oft nur im Schneckentempo voran. "Da ist es dann am schwierigsten schnell zum Ort des Geschehens zu kommen", sagt Herr Wang. Einen Seiten- oder Standstreifen gibt es in seinem Bezirk nicht. "So etwas", erklärt er, "gibt es nur auf den grossen Autobahnen ausserhalb der Stadt. Hier", so meint er, "braucht man jede Spur für den Verkehr."
Foto: Abschleppdienst
Heute ist er nochmal angefordert worden, obwohl er eigentlich gerade Schluss machen wollte, also kurz nach 19 Uhr, nach einem 12 Stunden Tag in seinem Abschleppwagen. Es ist ein ungewöhnlicher Einsatz, denn es soll ein laowai, ein Ausländer sein, der mit einem platten Reifen auf der Autobahn steht. Das weiss er, weil er deshalb einen zweiten Anruf erhalten hat, nämlich von dem Unternehmen, in dem der laowai arbeitet. Die haben mit ihm schon den Preis für das Abschleppen und Reifenwechseln vereinbart. Das findet Herr Wang gut, denn sonst ist es oft ein langes Verhandeln, weil die meisten Fahrer nicht den vollen Preis bezahlen wollen. Sie finden ihn zu hoch.

Für das Abschleppen und Reifenwechseln wird Herr Wang 600 RMB (ca. 75 Euro) bekommen. Das Reifenwechseln ist sein persönlicher Zusatzverdienst, was Herrn Wang besonders freut. Denn heute war kein guter Tag: es regnete. "Da fahren die Leute viel langsamer und vorsichtiger", sagt Herr Wang. Der Großteil seines Gehaltes ist variable, also hängt davon ab wie oft er gerufen wird. Daher sind solche Zusatzverdienste für Reifenwechseln oder zu einer Werkstatt fahren wichtig. Und genau deshalb hat er sich sofort bereit erklärt, diesen Notruf zu übernehmen, trotz laowai und Dienstschluss.
Foto: Tieflader
Der Einsatz dauert dann aber doch länger als erwartet. Erst fährt Herr Wang auf die falsche Seite der Autobahn und muss wieder umdrehen (Der laowai, der eine Frau ist, nämlich ich, muss deshalb fast 1,5 Stunde im Auto warten, zum Glück an einer guten Stelle, kurz vor einem Autobahnkreuz).

Als Herr Wang dann endlich da ist, hat es zum Glück aufgehört, in Strömen zu gießen, so dass das Aufladen schnell funktioniert. Die laowai scheint zu wissen, was gemacht werden muss, denn sie steigt aus dem Auto und lässt Herrn Wang in Ruhe aufladen. Die gemeinsame Fahrt im Führerhaus des Abschleppwagens ist kurz. Man muss ja nur irgendwie von der Autobahn runter. Denn Reifenwechsel auf der Autobahn ist auch für Herrn Wang ein Tabu.

Leider ist das Reifenwechseln dann auch etwas schwieriger als erwartet. Eigentlich geht es bei Herrn Wang ruckzuck, aber "jedes Auto ist anders". Heute müssen erst komische Plastikkappen von den Schrauben runtergefrickelt werden. Die sind schwarz, man kann sie kaum sehen und braucht etwas zum Hinterhaken. Das dauert am längsten. Auch die Schrauben selbst sitzen sehr fest, bei diesem ... ja, was ist das eigentlich für eine Marke, die die laowai da fährt? Ist Herrn Wang auch egal, es ist dunkel und hat wieder angefangen zu regnen.

Zum Glück hat der Wagen ein leichtes Reserverad im Kofferraum. Die laowai hilft beim Rausholen und macht auch Licht. Das ist sehr nett. "Das würde ein chinesischer Kunde nicht machen", sagt Herr Wang. "Die sind immer sehr fordernd".
Endlich ist es geschafft und die laowai weiss auch, dass sie 600 RMB bar bezahlen muss. "Das ist inzwischen das größte Problem", sagt Herr Wang, "die Leute haben kein Bargeld mehr dabei und wir sind noch nicht mit offiziellem QR-code zum Bezahlen ausgestattet." Das soll aber bald kommen.
Foto: platter Reifen
Herr Wang ist mit seinem letzten Einsatz am heutigen Tag dann doch sehr zufrieden. Es gab sogar noch zusätzlich Trinkgeld. Das passiert auch nur bei laowais. Er strahlt über das ganze Gesicht und winkt "bye bye" als die laowai mit ihrem Skoda Karoq auf 3 dicken und einem mickrigen Reserverad langsam davon fährt.

Kleingedrucktes zu meinen kleinen Geschichten: Personen, Namen, Handlungen und Zitate sind frei erfunden und nur ein neues Format meiner Bildkommentierungen.

18.04.2020

landmark

Wenn ich diese blaue Eisenbahn-Brücke sehe, geht es nach ca. 40min Fahrt auf die Autobahn und es sind noch weitere 20min ins Büro. Ein anderer Orientierungspunkt sind auch die am Straßenrand stehend pinkelnden Männer. Ich hatte schon einmal in dem Blog darüber geschrieben, dass Autobahnraststätten in China (noch) rar gesät sind und dieser Anblick nicht unüblich. Wer jetzt urteilt, dem sei gesagt, dass ich mich gut daran erinnere, dass es so etwas früher auch in Deutschland gab und ich es als Kind ungerecht fand, dass Jungs es so einfach haben.
Foto: blaue Brücke 
Es ist schon eine Weile her, dass ich Bilder von unserem Büro gezeigt hatte. Inzwischen sind mehr Pflanzen dazu gekommen und die Individualisierung der Arbeitsplätze im Grossraumbüro hat begonnen. Mein Büro bleibt weiterhin ganz männlich karg.
Foto: wenn ich aus meinem Büro trete
Foto: in meinem Büro


29.01.2020

neue Autobahn-Raststätte

Ich hatte schon einmal davon berichtet, dass Raststätten auf Autobahnen einen rare Angelegenheit sind, aber an einigen Stellen entstehen sie nun, Mega-Raststätten, wo gegessen, geshoppt, gelustwandelt und jetzt auch ein bisschen in die VR-Welt (Virtual Reality) abgetaucht werden kann.
Foto: Autobahnraststätten Entertainment
Foto: Autobahnraststätten-Spazierweg

04.12.2019

Raststätte

Obwohl es hier jede Menge Autobahnen und Schnellstrassen gibt, die das Land durchziehen, ist das Konzept der Autobahnraststätte erst langsam im Kommen. Wenn es dann welche gibt, sind diese riesig und Toilettenhinweisschilder kaum zu übersehen.
Foto: Toiletten
Was macht der gemeine Chinese (Mann) in Ermanglung von Raststätten: wie früher auch bei uns, wird auf dem Standstreifen angehalten und gegen die Leitplanken gepinkelt. Besonders gern auch direkt hinter einer Bezahlstation, da dort der Standstreifen breiter ist. Was Frauen machen, kann ich nicht genau sagen. Sie fahren vermutlich ab und suchen sich irgendwo eine Shopping Mall.

09.08.2019

Autobahngebühr

Für viele Autobahnen in China zahlt man Autobahngebühr. Auf meiner täglichen Fahrt zur Arbeit sind es für ca. 10km 10RMB pro Strecke. Erstaunlicherweise geht es da noch recht unmodern bzw. analog zu, denn man kann entweder 1) eine Plastikkarte in einem ETC Gerät (Electronic Toll Collection) im Auto installieren, von der bei Durchfahrt in der richtigen Spur abgebucht wird. Weil es aber nicht immer mit der automatischen Abbuchung klappt, obwohl wirklich alle super langsam durchfahren, sitzt meist trotzdem ein Mensch im Häuschen.
Foto: automatische Kartenabbuchung
Alternative 2) man zahlt direkt am Häuschen. Dafür hat man bei Autobahnauffahrt eine Plastikkarte gezogen. Klar, kann man dort mit WeChat per Telefon bezahlen, aber das dauert im Verhältnis zur Barzahlung viel länger, denn der Fahrer muss sein Phone aus dem Fenster halten, damit die Person im Häuschen den Scanner raushalten kann, dann dauert die Transaktion recht lange bis auf dem Phone die Bestätigung kommt. Wahrscheinlich ist die Netzverbindung unter dem dicken Dach nicht gut, hihi. Deshalb zahlen wohl viele eher bar - im Austausch gegen die sehr analog-altmodische Plastikkarte.
Foto: Barzahlung
Hmmm, da fragt man sich doch zumindest, warum noch eine Plastikkarte notwendig ist und nicht einfach Nummernschildernerkennung, den zu zahlenden Betrag ermittelt. Na ja, irgendwann wird das kommen und dann ganz schnell, von heut auf morgen. Wir sind ja in China.

15.05.2019

Panne

Auch wenn sich die Verkehrstipps gestern vielleicht ganz lustig angehört haben, gar nicht lustig zumute war mir auf unserer ersten Fahrt zum Messebauer mit einem Fahrdienst. Die Autobahn war zwar schön leer als ein Reifen platzte, aber wir auf der linken Spur und der Fahrer hielt einfach links an. Dies obwohl ein Auto hinter uns, und ein LKW neben uns war. Puh, der Wagen hat es zum Glück noch vor dem LKW auf die mittlere Spur geschafft und ich bin mit einem grossen Schrecken davon gekommen. John und Lisa haben das alles gar nicht so gemerkt, denn bei den Chinesen geht der Blick ja nie automatisch in den Rückspiegel oder nach hinten, so dass sie die heranrauschende Gefahr gar nicht bemerkt haben.
Foto: Hilfe
Danach war dann aber doch auch bei allen Panik angesagt, denn: Wo findet man das Warndreieck? Wie wechselt man einen Reifen? Wie bekommt man einen Ersatzfahrer...? Wie wechselt man den Reifen BEVOR der Ersatzfahrer kommt, denn sonst entgeht einem die Bezahlung? Wie findet man raus, ob der Ersatzfahrer wirklich los gefahren ist oder nur so tut, denn Fahrer und Ersatzfahrer stecken unter einer Decke? Wie fährt man mit Reserverad weiter, wenn man so eine strenge Deutsche im Auto hat, die nicht mehr erlaubt, dass überholt wird und nur auf der rechten Spur gefahren wird...??? Zum Glück waren wir nicht mehr weit entfernt und haben es in 15min zum Messebauer geschafft. Auf der Rückfahrt hatten wir dann ein anderes Auto.

14.05.2019

Verkehrstipps

Tatsächlich gewöhnt man sich an die tägliche Fahrt zur Arbeit mit mehr oder weniger Stau, aber immer vollen Hochstrassen durch die Stadt. Weil man genug Zeit hat zum Beobachten, gibt es heute mal ein paar Verkehrsregulierungs-Tipps, die zugegebenermassen sehr an deutsche Verkehrsregeln angelehnt sind.
Foto: tägliche Blechlawine

Vorweg sei allerdings gesagt: Ja, es gibt einfach zu viele Autos auf den Strassen. Deshalb gibt es in Shanghai, Beijing und Guangzhou schon seit Jahren Regelungen, nach denen an bestimmten Tagen nur Autos mit geraden oder ungeraden Kennzahlen auf dem Nummernschild fahren dürfen. Zusätzlich wurde die Zahl der jährlichen Neuzulassungen gedeckelt, in dem Zulassungslizenzen verlost bzw. verkauft (ca. 1.200 Euro) werden. Das war auch der Grund, warum ich so lange mit einem Tiguan und keinem Skoda gefahren bin, denn es dauert ca. 5-6 Monate bis unser Unternehmen eine Neuzulassungslizenz für einen neuen Dienstwagen bekommt. Nun aber zu den Tipps bzw. Verbotsvorschlägen.

1. Führerscheinprüfung mit praktischen Fahrstunden
(Wie auch in Korea), erhält man seinen Führerschein in China, wenn man einen theoretischen Multiple Choice Test besteht. Deshalb sind junge Fahrer eine echte Verkehrsgefährdung, denn ihre Unsicherheit zeigt sich darin, dass sie z. B. die Fahrspur nicht halten, keine Übersicht haben, mitten auf der Strasse anhalten, wenn sie nicht wissen, was sie machen sollen etc. Ein paar Pflichtstunden gehören eingeführt, basta.

2. Verbot von Schleichern
Auch wenn es mal etwas mehr fliesst im Verkehr z. B. auf der 80kmh erlaubten Hochstrasse, kann es passieren, dass auf der linken Spur jemand auf einmal mit 30kmh fährt. Das könnte ein Fahranfänger sein, siehe Punkt 1, dem es schwer fällt, die enge Spur zu halten oder zu wechseln und der Sorge vor der linken Betonwand hat. Aber es könnte auch ein Handy-Reingucker sein. Im schlimmsten Fall ist es ein ins-Handy-guckender-Fahranfänger. Deshalb bitte:

3. Verbot von Handys am Steuer
Das bitte rigoros, denn auch auf der Autobahn bei bis zu 120kmh sieht man sie: Schleicher oder Schlangenfahrer, die nicht nur auf ihre Handys gucken sondern auch schreiben, reinsprechen und Korrektur lesen - anders als in Korea, sind nicht alle Autoscheiben so stark verdunkelt, so dass man wirklich sehen kann, dass das Handy fast immer der Grund ist, selbst bei mehrtonnigen, schlecht beladenen LKWs.

4. Rechtsfahrgebot und nur links überholen
Theoretisch gibt es diese Gebote auch in China, aber kaum jemand hält sich daran. Würde bestimmt helfen, denn aktuell wird links und rechts überholt, was vielleicht a la USA funktionieren könnte, wenn alle gleich schnell fahren, aber es gibt ja, siehe Punkt 2, die Schleicher, die auf allen Spuren unterwegs sind, je nachdem wo sie gerade sind wenn das Handy ruft.
Auch LKWs fahren gern ganz links.

5. Verbot von Spurwechslern und Reissverschluss-Einfädeln
Spurwechseln in Stausituation, weil man der Meinung ist, die andere Spur geht schneller voran, gehört verboten. Es bringt nichts, nur mehr Stau.
Das Reissverschlussverfahren ist hier auch unbekannt. Wenn es z. B. eine 2-spurige Auffahrt auf die Hochstrasse gibt, versuchen fast alle parallel nach links auszuweichen, nur die Betonwand nicht. Deshalb gibt es an fast jeder Auffahrt erstmal einen Stillstand. Hier wird bereits vom Staat versucht zu regulieren: es gibt Ampeln an einigen Auffahrten und zu Stosszeiten stehen Polizeiwagen an den Auffahrten. Wirklich helfen tut das aber auch nicht. Besonders, wenn Polizisten dann der Meinung sind, den Verkehr komplett anzuhalten, um einen Verkehrsteilnehmer zu verwarnen.

6. Blick auch nach hinten
Bei diesem Tipp bin ich mir nicht ganz sicher, ob es wirklich ein guter und realistischer Tipp ist. Denn irgendwie funktioniert es auch, wenn man sich nur nach vorn orientiert. Fakt ist: Rück- und Seitenspiegel kann man in China einsparen. Der Blick ist nur nach vorn gerichtet - hintere oder   schwächere Verkehrsteilnehmer wissen das und müssen mehr aufpassen.

7. Abfahren und Anhalten auf der Autobahn
Abfahren ist nur erlaubt, wenn man sich mindestens 1km vorher schon auf die rechte Spur eingeordnet hat. Gar nicht geht: auf der linken Spur 100m vor der Abfahrt anhalten und meinen, man schafft es noch rechts rüber.
Generell muss gelten: Anhalten auf der Autobahn nur im Notfall und dann bitte rechts. Und: Pinkeln ist KEIN Notfall.

8. Bessere, dynamische Verkehrsleitsysteme
Gilt wahrscheinlich in fast jedem Land der Welt: die Wegweis-Beschilderung in China ist eher bescheiden, besonders für Ort-Unkundige. Da hoffen wir einfach mal, dass zukünftige Navigationssysteme es richten werden.

9. vorausschauendes Fahren
Liegt definitiv nicht in der Natur des Chinesen. Da hoffen wir einfach mal, dass autonomes Fahren es richten wird.

Hmmmm, nun schaue ich mir diese Liste so an und denke: wenn es ein Land richten kann, dann China. Denn mit Kameras, strengen Ahndungen bei Verstössen und Erfahrungen wie man Massen  bzw. "Schwarmverhalten" reguliert, haben sie hier Erfahrung.


13.10.2018

first impressions _ die Fahrt zu Arbeit

Die erste Arbeitswoche ist um und heute gibt es mal einen Blogeintrag mehr im Langtextformat als Bilderformat.
Foto: Zur Arbeit 60-75min (bisher)
In China muss man einen Führerschein machen - eine theoretische Prüfung, die es in sich haben soll, zum einen weil Regeln anders sind aber zum anderen weil die englische Übersetzung so bescheiden ist, dass die Multiple Choice Fragen eher zum Rätselraten sind. So lange man den lokalen Führerschein nicht hat, darf man nicht Auto fahren. Punkt. Streng. Klar. Denn man würde sogar direkt ins Gefängnis wandern, wenn man trotzdem fährt und erwischt wird.

Deshalb kommt jetzt jeden Morgen Mister Jin zum Abholen. Das ist nicht schlecht, denn so komme ich wenigstens an. Mr Jin ist ein routinierter Fahrer, sehr pünktlich, schlawinert sich gut in Warteschlangen und finden immer einen Weg mit Parkwächtern um dort kurz zu warten, wo parken eigentlich nicht erlaubt ist. Er kann prima "Ok, Ok" , "good morning" und "bye-bye" sagen, hat natürlich WeChat (das chinesische WhatsApp mit viel mehr Funktionen) und damit haben wir alles, was wir zur Verständigung brauchen.

Je nachdem was wir am Abend zuvor vereinbart haben, steht er morgens um 7:45, 8 oder 8:15 Uhr vor unserem Apartmentkomplex. Ein grauer US Passat, Langversion. Skoda kann sich keine eigene Fahrdienstflotte leisten und wir gehören ja schliesslich zur SAIC Volkswagen. Mr Jin hat ein sehr freundliches Gesicht, das bisher immer lacht und sich freut, weil ich pünktlich bin und ihn in keine "Warte-Bedrouille" bringe. Ein guter Start. Und die ersten 12-17min geht es durch das französische Viertel mit kleinen Strassen, Bäumen und viel zu gucken.

Leider raucht Mr Jin, was ich zwar noch nie gesehen habe und er tut es natürlich auch nicht im Auto, aber man riecht es. Morgens wenig, abends stark. Soll ich gleich mal meckern? Wahrscheinlich bekommt Mr Jin dann nur Ärger und die Wahrscheinlichkeit, dass es alle Fahrer so machen, ist gross. Also: erstmal nicht meckern, Fenster ein wenig runter, Luft reinlassen, nicht so viel auf's Phone während der Fahrt gucken (da wird's einem sonst schlecht) und abwarten. Geduld, die ich ja eigentlich nicht so habe, ist eine Tugend und - das ist mir nach der ersten Woche klar - eine überlebensnotwendige Eigenschaft für China.

Nach 12-17min geht es auf eine der Ringstrassen, eine Hoch-Schnellstrasse - und dann wird es eher langweilig zum Gucken: graue Hochhäuser, schon recht dicht bis zäh fliessender Verkehr, rechts und links Strassenwände. 3-4 Mal geht's rechts ab von der Schnellstrasse - und da wird es bestimmt kompliziert, wenn ich das erste Mal allein fahren muss. Mit Mr Jin ist alles kein Problem.

Nach 50-70min erreichen wir zum ersten Mal eine Toll-Station, wo ein Ticket gezogen werden muss. Dann ist die Abfahrt nach Anting aber schon nicht mehr weit und die Autobahngebühr für das Stück kann nicht viel sein - ich habe aber noch nie erkennen können, was Mr Jin eigentlich zahlt.

10min später, also nach insgesamt 60 bis 80min steht der graue Passat, Langversion, von Mr Jin dann mit mir vor unserem Bürogebäude und ich kann direkt davor aussteigen. Praktisch. Auf dem Telefon habe ich die Uhrzeit geschrieben, wann er mich am Abend wieder abholen soll. Dann aber am Hintereingang, wo er besser warten kann.

Es sind eigentlich nur ca. 30km von Shanghai Innenstadt nach Anting im Westen von Shanghai, aber zu den Stosszeiten dauert es. Anting ist die "Autostadt" von Shanghai, denn dort wird gebaut. Es ist die Zentrale der SAIC Motor Corporation Ltd. Früher stand SAIC schon für Shanghai Automotive Industry Corporation. Jetzt wirkt der Name etwas doppelt-gemoppelt, aber dafür gibt es bestimmt einen triftigen Grund. Die SAIC baut nicht nur Volkswagen (seit 1985) und Skoda (seit 2006) hier, sondern hat auch Gemeinschaftsunternehmen (Joint Ventures) mit GM, Baojun, Buick, Chevrolet, Iveco, Wuling, Volvo und eigene Exklusivmarken mit Maxus, MG, Roewe und Yuejin.
Foto: ca. 30km

Um 9 Uhr kommen viele Kollegen ins Büro, deshalb staut es sich gleich an den Fahrstühlen. Besser also etwas später hoch und vorher einen Kaffee im BuffersCafe im Erdgeschoss trinken. Er schmeckt sogar richtig gut und kann mit dem Werksausweis bezahlt werden, wo jeden Monat ein Guthaben von 400 RMB (ca. 50 Euro) automatisch aufgeladen wird. Der Essenszuschuss sozusagen. Wird er nicht genutzt, so verfällt das Guthaben, zumindest ist das bei den Expats so, den Ausländern im Unternehmen.
Im Cafe trifft man meist schon ein paar dieser Expat-Kollegen. Wahrscheinlich weil alle ihr Guthaben aufbrauchen wollen. Denn das Kantinenessen soll nicht besonders gut sein. So wird gesagt, was  ich selbst noch nicht beurteilen kann, denn ich war die ganze Woche nicht essen. Es gab über Mittag immer Termine, die dann zwar meist doch nicht stattgefunden haben, aber das kann man in der ersten Woche ja noch nicht wissen.

Die Expat-Kollegen sind übrigens fast alle aus Tschechien - ich kenne sogar noch viele! Erstaunlich, denn es sind ja auch schon wieder 10 Jahre her, dass ich in Mlada Boleslav gearbeitet habe.
Die Volkswagen Kollegen sitzen in einem anderen Gebäude, was ich ehrlich gesagt nicht schlecht finde, denn der erste Eindruck ist jetzt schon, dass Volkswagen die übermächtige Mutter ist, von der die kleine Tochter Skoda sehr abhängig ist. Ein bisschen Distanz ist da nicht schlecht. Und per Auto sind es keine 10min. Das weiss ich nicht etwa, weil ich die Kollegen schon besucht habe, sondern viel mehr weil ich gleich am 2. Tag ein Bankkonto eröffnet habe und die Bank sich dort befindet, wo Volkswagen seinen Vertrieb und Marketing hat.

20.10.2017

Autobahnraststätten

Nachdem ich kürzlich mal wieder auf Deutschlands Autobahnraststätten unterwegs war, sollte ich nicht meckern über Ausstattung, Alter und Angebot, aber in Korea sind sie definitiv rarer gesäht, auch auf der neuen Strecke zwischen Ost-Hongcheon und Yangyang. Nur eine ganz neue, gerade eröffnete Riesen-Raststätte stach hervor, die auf dem Hinweg allerdings schon hoffnungslos überlaufen war, so dass wir uns den Stop für den frühen Rückweg am nächsten Tag aufgehoben hatten. Da war es dann noch schön leer.
Foto: Raststätten Auffahrt, gut markiert
Foto: neue Raststätte in den Bergen
Foto: neue Raststätten